© dapd

Politik Ausland
09/29/2012

Mitt Romney: Ein Patriot nach Vorschrift

Der KURIER begleitete Mitt Romney zu einem Auftritt vor US-Veteranen im umkämpften Bundesstaat Virginia.

Er will ihnen unbedingt gefallen. Zuerst erzählt er also ein paar persönliche Geschichten, die zeigen sollen, wie nahe er den Menschen steht, in diesem bescheidenen Saal in Springfield, Virginia. Es sind allesamt Veteranen der Kriege, die die USA geführt haben, Menschen mit Erfahrungen, die Mitt Romney nie gemacht hat. Der republikanische Präsidentschaftskandidat war nie in einem Krieg.

Also erinnert sich Romney an seine Zeit als Gouverneur: An die tränenreiche Verabschiedung der Kämpfer, die in den Irak und nach Afghanistan gingen und an eine auffällig filmreife Szene: Ein Soldat habe ihn persönlich gebeten, ihn noch vor seinem Abmarsch schnell zu trauen: "Ich sagte: ,Warum nicht" und traute die beiden. Aber als ich zurück ins Büro kam, fragte man mich, ob ich je etwas von einer amtlichen Heiratsbefugnis gehört habe", erzählt Romney.

Rollstuhlfahrer mit Fahne

Der vollgepackte Saal lacht auf. Da macht Romney schon weiter: Am Vorabend habe er ein Flugzeug mit Veteranen in Virginia empfangen, mit einem Händedruck für jeden Einzelnen. Ein älterer Herr auf einem Rollstuhl rührte ihn besonders. Der hatte eine kleine US-Fahne dabei und schwenkte sie in der Luft. "Ich schätze den Patriotismus der Männer und Frauen in diesem Raum, die unserem Land gedient haben", sagt Romney den Veteranen im Saal.

In einen dunklen Anzug gekleidet, steht er hinter dem Rednerpult. Er wirkt etwas steif, nur seine Arme bewegen sich, als er während der Rede gestikuliert. Seine Worte scheinen aber der Versammlung gut zu gefallen. "Ja! Ja!", ruft es aus allen Ecken. Lautes Lachen unterbricht den Kandidaten oft.

Gut für Romney, denn die Stimmen der Veteranen am Wahltag im November seien von kritischer Bedeutung, sagt Thomas Burch, der Präsident der Nationalen Stiftung der Vietnam-Veteranen, gegenüber dem KURIER. "Mit den Veteranen zu den Wahlurnen kommen auch ihre Frauen, ihre Mütter und ihre Kinder", erklärt Burch, ein energischer 70-jähriger Mann mit lachenden Augen und zwei dichten Reihen mit Medaillen aus Vietnam auf der Uniform.

Die Veteranen machen etwa 13 Prozent der erwachsenen Bevölkerung der USA aus. Die Mehrheit von 58 Prozent steht hinter Romney. Die pensionierten wie auch die aktiven Soldaten sind überwiegend konservativ und tendieren traditionell in Richtung Republikanische Partei.

Dennoch muss sich auch Romney um ihre Stimmen bei der Wahl im November bemühen. Sein Vorgänger, Senator John McCain, selbst ein Veteran aus dem Vietnam-Krieg, hatte es vor vier Jahren leichter, Stimmen des Militärs für sich zu gewinnen. Dieser Wahlkampf sei der erste seit etwa 70 Jahren, bei dem keiner der Kandidaten für Präsident und Vize-Präsident Militärerfahrung vorweisen könne, so Beobachter.

Wichtige Stimmen

Nun ist Romney wieder nach Virginia gereist, einem Staat mit vielen Militärstützpunkten, wo viele ehemalige und aktive Soldaten mit ihren Familien wohnen. Hier ist auch das Pentagon, das US-Verteidigungsministerium, zu Hause. "Das ist seine erste Visite im Staat, die er exklusiv den Veteranen widmet", sagt Burch. Noch dazu ist Virginia ein wichtiger "Swing State" – ein "Wackelstaat" –, dessen unentschiedene Wähler im November eine Schlüsselrolle spielen werden. "Dieser Staat ist ein Schlachtfeld", sagt Jim Nocholson, früherer US-Kriegsveteranen-Minister, den Veteranen auf der Romney-Wahlveranstaltung in Springfield. Dies sieht man schon auf den Straßen von Springfield mit ihren hübschen Einfamilienhäusern. Auf manch korrekt geschnittenem grünen Rasen sind Romney-Werbeschilder zu sehen, während im Nachbargarten Obama-Plakate stecken. Viele Häuser aber haben keine Wahlwerbung.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat sei ein Mann, der die Veteranen verstehe und schätze, was sie für ihre Heimat getan haben, sagt Nicholson.

"Ja! Ja!", ruft die Menge wieder, als Romney darüber spricht, dass man mehr Jobs brauche und mehr Sicherheit, was keine Kürzungen beim Militär bedeuten könne. Er wolle mehr Wachstum für die amerikanischen Kleinunternehmen und Obamas Gesundheitsreform abschaffen. Noch mehr Klatschen.

Nicht alle in Springfield sind so begeistert. "Romney hat über alles zu allgemein geredet. Ich dagegen hätte hören wollen, was die jetzige Regierung nicht schafft, oder wie wir zur Arbeitslosigkeit von über acht Prozent kamen", klagt Lonnie Eskeli, ein ehemaliger Offizier. Trotzdem wird er dem republikanischen Kandidaten seine Stimme geben, weil er traditionell die Republikaner unterstützt.

"Mein Mann hat recht, dass die Rede zu allgemein war. Es ist aber auch klar, dass Romney jetzt nicht genug Zeit hatte, in die Einzelheiten hineinzugehen", sagt Lonnies Frau Julie. Weniger als eine halbe Stunde hat Romney zu den Veteranen in Springfield gesprochen. Zeit für Fragen gibt es nicht. Der nächste Wahltermin drängt. Die Veteranen bleiben wieder unter sich und machen sich zum gratis Mittagsbuffet auf.

Mehr zum US-Wahlkampf lesen Sie auf unserem USA2012-Blog

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.