Politik | Ausland
06.08.2017

Venezuela: Militärs riefen zu Putsch gegen Maduro auf

Augenzeugen berichteten von Gewehrschüssen in der Nacht. Laut Regierungsangaben wurde der Putsch bereits niedergeschlagen.

In der venezolanischen Stadt Valencia kam es am Sonntag zu einem Militäraufstand und Aufrufen zum Putsch gegen den sozialistischen Staatspräsidenten Nicolás Maduro. Unklar war zunächst, wie viele Soldaten an der Rebellion in der Stadt 170 Kilometer westlich von Caracas beteiligt sind. Augenzeugen berichteten
von Gewehrschüssen in der Nacht.

In einem online verbreiteten Video erklärten mehrere Männer in Militäruniform (siehe Bild oben), sie seien dabei, in der Stadt Valencia eine Revolte zu starten. Sie wollten die Demokratie im Land wiederherstellen.

Als Sprecher der Einheit und Kommandant der "Operation David Carabobo" stellte sich Hauptmann Juan Caguaripano vor. "Wir befinden uns im legitimen Aufstand, heute stärker vereint als jemals zuvor, mit dem tapferen Volk von Venezuela, um die mörderische Tyrannei von Nicolas Maduro zu bekämpfen. Wir stellen klar, dass dies kein Staatsstreich ist. Es handelt sich um eine Aktion von Bürgern und Militärs um die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen. Darüber hinaus geht es darum, das Land vor der totalen Zerstörung zu retten und die Morde an unseren jungen Menschen und Angehörigen zu stoppen", erklärte Caguaripano.

Wie die Zeitung El Nacional berichtete, gingen in Valencia Bürger auf die Straße, um ihre Unterstützung für die aufständischen Militärs zu demonstrieren. Sie begaben sich zum Militärstützpunkt Paramacay, von wo die Rebellion in der Früh ausgegangen war.

Der stellvertretende Vorsitzende der Sozialisten, Diosdado Cabello, sprach von einem „terroristischen Angriff“ in Valencia. Kurz darauf sagte er, die „Ausnahmesituation“ sei unter Kontrolle, der Aufstand hätte schnell niedergeschlagen werden können. Offensichtlich war versucht worden, das Waffenlager anzugreifen. Im Rest des Landes gebe keine Aufstände, betonte Cabello. „Absolute Ruhe bei den anderen Militäreinheiten im Land“, twitterte er. Das Militär teilte mit, mehrere Angreifer seien festgenommen worden.

Verteidigungsminister Vladimir Padrino twitterte: "Sie konnten nichts ausrichten gegen die FANB" (Bolivarische Nationale Streitkräfte). Auch Padrino sprach von "Terrorangriffen".

1 Toter, 1 Verletzter bei Angriff auf Militärbasis

Der Angriff richtete sich gegen den Paramacay-Stützpunkt in Valencia. Die Streitkräfte hätten erfolgreich einen "paramilitärischen, kriminellen und terroristischen Angriff" zurückgeschlagen, erklärte Konteradmiral Remigio Ceballos im Kurzbotschaftendienst Twitter. Sieben Angreifer seien festgenommen worden und geständig. Nach Angaben der Armee gab es bei dem Angriff einen Toten und einen Schwerverletzten.

Maduro wird nach der Entmachtung des Parlaments durch eine "Volksversammlung" der Umbau zu einer Diktatur vorgeworfen, eine Gewaltenteilung, so Kritiker, sei damit de facto nicht mehr gegeben. Erst am Samstag wurde mit Generalstaatsanwältin Luisa Ortega eine der wichtigsten Kritikerinnen Maduros abgesetzt. Ihr soll der Prozess gemacht werden. In Lateinamerika löste das Vorgehen der mit weitreichender Machtbefugnis ausgestatteten Verfassungsversammlung Proteste aus.

Im Land selbst kommt es seit April täglich zu Dutzenden gewaltsamen Demonstrationen, die über 120 Todesopfer forderten.