Politik | Ausland
19.01.2018

Merkel und Macron: Eine glückliche Polit-Ehe

Frankreichs Präsident Macron und die deutsche Kanzlerin Merkel, die heuet in Paris zusammentreffen, wollen gemeinsam Geschichte schreiben.

Er ist 40, sie 63. Bei diesem Altersunterschied denkt man an das Ehepaar Emmanuel und Brigitte Macron. Aber dieselbe, offensichtlich geglückte Alterskonstellation gilt auch für Emmanuelle Macron und Angela Merkel, die einander heute in Paris treffen.

Wobei man im Fall des französischen Staatschefs und der deutschen Kanzlerin getrost von einem Politpaar sprechen kann. Es ist nicht so sehr die persönliche Chemie zwischen ihnen, die gab es bereits zwischen Macrons Vorgänger François Hollande und Merkel.

Kompatible Persönlichkeiten an den richtigen Schaltstellen

Es ist vielmehr eine historische Konstellation, die zwei politisch und weltanschaulich zutiefst kompatible Persönlichkeiten zum richtigen Zeitpunkt und an den richtigen Schaltstellen der Macht aufeinander treffen ließ. Macron ist aus der Sicht der moderaten deutschen Christdemokratin ein Traumpartner: ein französischer Präsident, der den Defizit-Abbau und Unternehmer-freundliche Arbeitsmarkt-Reformen mit seltener Konsequenz durchzieht, also jene "Hausaufgaben", die konservative deutsche Politiker bei ihren französischen Partnern immer eingemahnt hatten.

Macron hatte dies im Wahlkampf klar angekündigt, dabei eine Reihe Maßnahmen, die in Deutschland erfolgt waren, als nachahmenswert gepriesen und die EU zum unwiderruflichen Horizont Frankreichs erklärt – und mit all diesen heiklen Ansagen hatte der politische Newcomer die Nationalistin Marine Le Pen und den Linkstribun Jean-Luc Melenchon aus dem Rennen geschlagen.

Der Brexit gefolgt vom britischen Katzenjammer, der Verlust des bisherigen Verankerungspunkts der liberalen Demokratien durch das Wüten des Donald Trump, das Abdriften der Staatsführungen Ungarns und Polens in obskure Gefilde, die Aggressivität von Wladimir Putin und der immer herrischere Machtanspruch Chinas – all diese Ereignisse in einem gerafften Zeitraum ließen Macron als Vorboten einer Trendumkehr erscheinen und als Bannerträger eines erneuerten europäischen Angebots auftreten.

Schlag auf Schlag überraschte er mit Projekten für eine wirtschafts- und sozialpolitische Vereinheitlichung der Euro-Zone, Bürgerkonvente in allen EU-Staaten zur Erarbeitung neuer EU-Strukturen, der erstmaligen Bereitschaft Frankreichs zur teilweisen Umwidmung des EU-Agrarbudgets in neue Investitionsprogramme.

Eigenes Bündnis bei den EU-Wahlen

Bei den EU-Wahlen 2019 will Macron ein eigenes Zentrumsbündnis schmieden, das, nach dem Vorbild seiner Präsidentschaftskampagne in Frankreich, die beiden bisher dominanten Fraktionen der bürgerlichen und sozialdemokratischen Parteien in die Schranken weisen würde.

Dass Macron seine wichtigsten Vorstöße in Sachen EU in einer Rede vor der Pariser Sorbonne nur einen Tag nach den Wahlen in Deutschland deponierte, wurde von einigen Kommentatoren als unvorsichtig gewertet. Tatsächlich schien die geschwächte deutsche Kanzlerin zuerst auf ein Bündnis mit dem FDP-Jungstar Christian Lindner angewiesen, der den Vorschlägen von Macron wenig Sympathie entgegenbrachte.

Und siehe da: Das Blatt hat sich mit der Aussicht auf eine neuerliche Koalition Merkels mit den Macron-begeisterten SPD-Spitzen wieder gewendet. Im deutschen Sondierungspapier finden Macrons Ideen prominente Würdigung.

Entgegenkommen

Dem Vernehmen nach kommt Merkel nach Paris mit der Bereitschaft, Macron in einigen bisher höchst umstrittenen Punkten wie etwa der Erhöhung des EU-Budgets entgegenzukommen. Aber wie auch immer die Verhandlungen im Detail verlaufen mögen, so gilt vor allem, dass sich Macron und Merkel auf einen bedeutsamen Schritt für Europa zubewegen wollen, wie Le Point schreibt: "Der 40-Jährige brennt darauf, Geschichte zu machen, die 63-Jährige träumt von einer historischen Abschluss-Krönung ihrer Karriere."