© APA/AFP/JIM WATSON/JOHN MACDOUGALL

Antrittsbesuch in den USA
03/17/2017

Merkel trifft auf Trump: Clash der Welten

Zum ersten Mal begegnet die deutsche Kanzlerin heute dem US-Präsidenten - es geht um viel. Um ein Politikverständnis, das unterschiedlicher nicht sein könnte, um die Nato und um den "Exportweltmeister".

von Karl Oberascher, Jürgen Klatzer

Zwei Mal erst haben sie miteinander telefoniert, getroffen überhaupt noch nicht. Was sie voneinander halten, haben sie einander jedoch schon zur Genüge ausgerichtet.

Merkels Gratulation zu Trumps Wahlsieg wurde so zur unverhohlen kritischen Aufklärungsdepeche für Demokratie-Neulinge. Eine Zusammenarbeit könne nur auf Grundlage der gemeinsamen Werte und der Einhaltung der Menschenrechte erfolgen, hieß es da. Trump bezeichnete die Flüchtlingspolitik seines Gegenübers dafür auch schon einmal als "geisteskrank". Um es vorsichtig zu sagen: Gegenseitige Sympathiebekundungen, wie sie im transatlantischen Verhältnis der beiden Nato-Partner jahrzehntelange Tradition sind, sehen anders aus.

Antipoden der Weltpolitik

Trump und Merkel - die beiden sind eben aktuell so etwas die Antipoden der Weltpolitik.

Dort "America First", hier eine die Staatschefin des "Exportweltmeisters" Deutschland.

Dort der Mann, der illegale Einwanderer als Vergewaltiger (mit einigen Ausnahmen, "die es sicher gibt") bezeichnete und mit einer Mauer aufhalten will. Hier die Frau, die für ihre freundliche Flüchtlingspolitik vielleicht ihr Amt aufs Spiel gesetzt hat.

Dort der polternde Demagoge, dessen Administration seit Jänner bereits 2.000 Gesetze und Verordnungen verabschiedet hat - darunter so unausgegorene Kapazunder wie der US-Einreisestopp -, während er über Arnold Schwarzeneggers Einschaltquoten, die Modelinie seiner Tochter Ivanka oder ganz generell die "Fake News Media", twitterte. Hier die zurückhaltende Staatschefin, seit zwölf Jahren im Amt, für die einmal den Begriff "wegmerkeln" erfunden wurde, weil sie sich lieber gar nicht äußert, bevor sie etwas Dummes sagt (eine Angst, die Donald Trump nicht zu kennen scheint).

Kurzum: Dort der "Anführer der freien Welt". Hier die von US-Medien, die Trump dieses Attribut nicht mehr zutrauen, designierte Nachfolgerin. "The Leader of the Free World Meets Donald Trump", titelte das liberale Online-Magazin Politico gestern. Es ist eine überzogene Zuschreibung der US-Medien, zumal Merkel selbst diesen Anspruch nie erhoben hat. Aber klar ist: Wenn Angela Merkel heute auf Donald Trump trifft, treffen auch zwei unterschiedliche Amtsverständnisse, zwei Arten Politik zu machen, aufeinander.

Balanceakt für Merkel

Für Merkel ist es ein Balanceakt. Schlechter hätte der Start in der Beziehung der beiden Länder nicht sein können. Das Ansehen der USA in Deutschland ist massiv beschädigt. "Da käme es gar nicht gut, wenn die Kanzlerin mit dem US-Präsidenten auf Tuchfühlung geht", schreibt Spiegel Online. Stattdessen wird "klare Kante" gewünscht. Wenn Merkel schon zur (letzten?) Anführerin der freien Welt ausgerufen wird, dann solle sie auch Trumps kreativen Umgang mit Fakten ansprechen, den erfundenen Terroranschlag in Schweden etwa, oder seine Pauschalverurteilung von kritischer Medienberichterstattung. Schließlich ist Wahljahr in Deutschland, und der politische Gegner - allen voran Martin Schulz, für den Trump "hochgradig demokratiegefährdend" ist - macht Druck.

Aber die USA sind eben auch der größte Absatzmarkt für Produkte "Made in Germany". Angesichts eines Handelsüberschuss von 49 Milliarden Euro verlieren Appelle an die neue "Anführerin der freien Welt" schnell an Relevanz. Denn "America First"-Trump sieht das gar nicht gerne. Im Raum stehen sogar Strafzölle der USA. Es gilt also auch zu beschwichtigen. "Dieser Handel ist für beide Seiten von Vorteil", sagte Merkel, die sich auf ihrer USA-Reise von den Vorstandschefs der Unternehmen Siemens, BMW und Schaeffler begleitet lässt, deshalb bereits im Vorfeld.

Dass Merkel ein Händchen für Polit-Machos hat, zeigte sie bereits bei Berlusconi und Putin. Ob sie den Trump'schen Handschüttler ebenso gekonnt wie Kanadas Präsident Justin Trudeau übersteht, wird sich um 18.20 Uhr MEZ weisen. Dann gibt es eine gemeinsame Pressekonferenz mit dem US-Präsidenten.

Erfahrungen mit seinen Vorgängern konnte Merkel schon zur Genüge sammeln. Trump ist ihr dritter US-Präsident

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