Politik | Ausland 02.03.2015

Merkel befördert "Lenas Onkel" weg

Merkels Top-Mann für EU-Politik: Nikolaus Meyer-Landrut (55). © Bild: APA/EPA/GUIDO BERGMANN / GERMAN FEDERAL PRESS OFFICE / HANDOUT

Die deutsche Kanzlerin wechselt ihren EU-Vertrauten aus – für eine flexiblere Linie?

Lenas Onkel" ist sein nicht gern gehörter Spitzname im politischen Berlin, seit Nichte Lena als Sternchen am Schlagerhimmel aufging. Denn Nikolaus Meyer-Landrut ist eine Größe für sich: Mit Christoph Heusgen ist er der engste außenpolitische Berater von Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel.

Die beiden Berufsdiplomaten haben eine Wissens- und Entscheidungsfülle wie kein anderer Nichtpolitiker in der Hauptstadt – und weit darüber hinaus. Sie denken und handeln für ihre Chefin, meist im Voraus, oft im Auftrag. Bis hin zu eigenständigen Telefonaten mit wichtigsten Staatschefs: Heusgen etwa mit Russlands Präsident Putin, Meyer-Landrut mit Frankreichs Hollande. Eine in Österreich undenkbare Aufwertung von Beamten.

In den vier Jahren als Merkels erster EU-Mann hat "ML" es aber auch zum bestgehassten Deutschen in den Hauptstädten der südeuropäischen Dauerproblemländer gebracht. Mit beißender Ironie drängt Meyer-Landrut sie auf das Einhalten von Verträgen.

Dieser Druck hat ihn auch in Brüssel, der Hauptstadt der weichen Kompromisse, nicht beliebt gemacht. Besonders seit Jean-Claude Juncker Präsident der EU-Kommission ist: Den trennt ein alter, offenbar unkittbarer Vertrauensbruch von Merkel. Wie sie ist auch Meyer-Landrut ein "Intergouvernementalist" – einer, der die Macht in der EU in Händen von deren Staats- und Regierungschefs sehen und da auch halten will – statt in denen des Kommissionschefs.

Machtkampf

Juncker aber will ein "politischer Präsident" sein, ein Player und nicht Statist Berlins wie sein Vorgänger Barroso. Dafür baute Juncker mit dem sich ebenfalls stets unterbewertet fühlenden EU-Parlament eine Allianz gegen Berlin auf. "ML" misstraut aber den Selbstaufwertungsversuchen des Parlaments und noch mehr denen seines umtriebigen Präsidenten Martin Schulz (SPD).

Nun aber scheint es, als ob Merkel umdenkt: Links- und rechtsextreme Protestparteien in vielen EU-Ländern schüren Misstrauen gegen Brüssel und mehr noch Hass auf Berlin. Merkel wird als egoistische Sparmeisterin diffamiert. Dass Deutschland wie niemand sonst die Kosten der Reformstaus in Südeuropa mitträgt, ist seit Junckers Amtsantritt kein Kriterium mehr. Doch Merkel fürchtet nun eine Spaltung der EU.

Meyer-Landrut aber will den Schwenk wohl nicht mitmachen, obwohl er wie Heusgen bis 2017, dem Ende der Legislaturperiode, als gesetzt galt. News von seinem Abschied kamen indessen ausgerechnet aus Paris: Ein Insider-Dienst meldete da, dass der mit einer Französin verheiratete 55-Jährige die deutsche Botschafterin im Juli vorzeitig ablöst. Eine Bestätigung gibt es in Berlin nicht, aber auch kein Dementi wie bei einer Falschmeldung. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden, der potenzielle Favorit dafür gilt aber als viel weniger profiliert, als es "ML" einst war. Das sollte er aber sein bei einer noch flexibleren EU-Politik Merkels.

Erstellt am 02.03.2015