Politik | Ausland
04.08.2017

Mehr als 6400 weibliche Flüchtlinge nach Nordkorea "zurückgekehrt"

Ob die Rückkehr freiwillig erfolgt sei, blieb unklar.

Mehr als 6400 aus Nordkorea geflüchtete Frauen sind nach Angaben des kommunistischen Landes in den vergangenen Jahren wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Dies gehe aus einem von Nordkorea vorgelegten Bericht an den UN-Menschenrechtsausschuss gegen Diskriminierung von Frauen (CEDAW) hervor, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Freitag. So seien zwischen 2005 und 2016 insgesamt 6473 Nordkoreanerinnen "zurückgekehrt". Viele der Frauen hätten wegen der schlechten Wirtschaftslage die chinesische Grenze überquert oder seien von Menschenschmugglern gelockt worden, hieß es demnach in dem Paper. Ob die Rückkehr freiwillig erfolgt sei, blieb Yonhap zufolge unklar. Menschenrechtsorganisationen und die UNO berichten, dass nach China geflüchtete Nordkoreaner dort festgenommen und abgeschoben werden.

Nicht bestraft

Nordkorea gab an, die Frauen seien nicht für ihre Flucht bestraft worden und führten nun ein "stabiles Leben". Experten bezweifeln dies. Von China abgeschobene Flüchtlinge erwarte in Nordkorea Folter, sexueller Missbrauch und Zwangsarbeit, hieß es im jüngsten Jahresbericht von "Human Rights Watch". Nordkoreaner, die versuchten, nach Südkorea zu gelangen, würden als Staatsfeinde betrachtet. Auch eine UN-Kommission hatte 2014 schwere und systematische Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea festgestellt. Nach Informationen des US-Außenministeriums sind bis zu 120.000 Menschen in Lagern für politische Gefangene inhaftiert, darunter auch die Familien von Gegnern des Regimes. Das UN-Panel gegen Frauendiskriminierung will sich im November mit der Situation in Nordkorea befassen.

Nordkorea wirbt um US-Touristen

Nach dem mysteriösen Tod des US-Studenten Otto Warmbier wirbt Nordkorea um Touristen aus den Vereinigten Staaten. Die Tür für Reisende aus den USA stehe "weit offen", erklärte das Außenministerium in Pjöngjang am Freitag. Allerdings dürfen US-Bürger auf Weisung Washingtons ab dem 1. September nicht mehr in das kommunistische Land reisen. Es gebe keinen Grund für ausländische Reisende, sich unsicher zu fühlen, betonte ein Sprecher des Außenministeriums in Pjöngjang. Nordkorea sei ein "sehr stabiler und starker Staat". Es gebe nur wenige US-Bürger, die wegen Verstößen gegen die nordkoreanischen Gesetze belangt worden seien, betonte er, ohne Warmbier namentlich zu nennen.

Der 22-jährige US-Student war während einer Nordkorea-Reise im März 2016 wegen Diebstahls eines Propaganda-Posters zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. Er fiel ins Koma und wurde schließlich "aus humanitären Gründen" freigelassen. Im Juni starb er wenige Tage nach seiner Rückkehr in die USA. Das US-Außenministerium hatte danach das Reiseverbot angekündigt. Nach Angaben von Reiseveranstaltern reisen jährlich rund 5000 westliche Touristen nach Nordkorea. Davon waren bisher rund 20 Prozent US-Bürger.