Zerknirscht? Enttäuscht? Ungläubig? Medienvertreter versuchen den Blick des US-Senators John McCain - Republikaner aus Arizona und ehemaliger Präsidentschaftskandidat - nach dem Scheitern der beiden Gesetzesvorhaben am Freitag zu deuten.

© APA/MICHAEL REYNOLDS

Kalter Medienkrieg
09/20/2013

McCains Putin-Attacke war Blindgänger

Der republikanische US-Senator fuhr in einem Artikel schwere Geschütze auf. Gelesen hat ihn in Russland kaum jemand.

Vorige Woche publizierte Kreml-Chef Wladimir Putin in der großen New York Times einen überaus offensiven Anti-USA-Artikel, in dem er Washington eine "nur auf brutale Gewalt" gestützte Außenpolitik vorwarf. Der republikanische US-Senator John McCain schlug am Donnerstag mit einem ebenso scharfen Artikel zurück. Der als Retourkutsche angelegte Text verfehlte allerdings etwas seine Wirkung. Nicht wegen des Inhalts, sondern wegen mangelnder Reichweite. Der Senator sandte seinen Artikel an die einst renommierte aber inzwischen bedeutungslose Zeitung "Prawda" und an das nicht als seriöse Nachrichtenquelle geltende Portal Prawda.ru, das nichts mit der Zeitung zu tun hat. Der Beitrag erschien zunächst nur auf dem Portal. Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte, der Präsident werde den Text vermutlich lesen, aber wohl kaum kommentieren. Und auch sonst dürfte der Senator kaum Leser gehabt haben. "McCain ist nicht als Putin-Fan bekannt", sagte er. "Sein Standpunkt ist die Meinung eines Menschen, der auf der anderen Seite des Ozeans lebt."

Putin hatte in seinem Zeitungsbeitrag gewarnt, ein US-Militärschlag gegen Damaskus könne die UNO schwer beschädigen, und Washington Arroganz vorgeworfen.

"Sperren Widersacher ein"

Inhaltlich führte McCain in dem Artikel schwere Geschütze auf: Putin und seine Verbündeten "bestrafen Dissens und sperren Widersacher ein. Sie manipulieren Wahlen. Sie kontrollieren die Medien. Sie schikanieren, bedrohen und verbannen Organisationen, die ihr Recht auf Selbstbestimmung verteidigen", wandte sich McCain an die Russen. Er selbst sei nicht gegen Russland, sondern "pro-russischer als das Regime, dass Sie heute schlecht regiert".

Der Syrien-Konflikt steht im Hintergrund des transatlantischen Schlagabtauschs. McCain gehört zu den lautesten Verfechtern eines Militärschlags gegen Syriens Machthaber Bashar al-Assad, den er wie sein Präsident Barack Obama für einen Giftgasangriff mit mehr als tausend Toten verantwortlich macht. Den am vergangenen Samstag ausgehandelten US-russischen Plan zur Vernichtung der syrischen Chemiewaffen wertete McCain zu Wochenbeginn als "aufreizendes Zeichen der Schwäche der USA".

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.