Politik | Ausland
15.03.2016

Über die Grenze, aber zurück

Skopje schob am Dienstag Hunderte Flüchtlinge ab, die tags zuvor gekommen waren.

Nur eines steht fest: Der Aufbruch von etwa tausend Flüchtlingen aus Idomeni am Montag war organisiert. Wer dahintersteckt, wird immer noch von der griechischen Polizei geprüft. Schon blühen Verschwörungstheorien über den Vorfall auf, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Man beschuldigt Schlepper, Menschenrechtsaktivisten und sogar einen ehemaligen deutschen Minister, die Autoren eines Flugblatts auf Arabisch zu sein, das mehrere Hunderte ermunterte, ihre Zelte bei Idomeni zu verlassen und die griechisch-mazedonische Grenze an einer anderen, wenige Kilometer entfernten Stelle zu überqueren. Dort sei die Grenze offen, stand unter anderem auf dem Papier, das mit einer von Hand gezeichneten Karte und der Unterschrift "Kommando Norbert Blüm" versehen war.

Organisierte Aktion

Der 80-jährige Blüm (CDU) hatte vor Kurzem aus Solidarität zu den Flüchtlingen auch in einem Zelt in Idomeni übernachtet. Deutschen Medien gegenüber dementierte er aber, mit dem Flugblatt etwas zu tun zu haben. Die griechischen Behörden zeigen sich auch skeptisch, glauben aber an eine organisierte Aktion, die Menschenleben in Gefahr gebracht habe.

Der griechische Premier Alexis Tsipras sprach von einem "inakzeptablen Vorfall": "Wir appellieren an die Flüchtlinge, ihre Bemühungen, in der Gegend zu bleiben, aufzugeben. Es gibt keine Chance, dass diejenigen, die den Korridor zugemacht haben, ihn wieder öffnen."

Er bat die Flüchtlinge, sich von den Behörden in die für sie aufgestellten Unterkünfte bringen zu lassen, und versprach, sich zu bemühen, um den Prozess für ihre legale Umsiedlung in andere EU-Länder zu beschleunigen. Es sind fast 44.000 Menschen, die derzeit in ganz Griechenland festsitzen. Wegen des schlechten Wetters ist die Zahl Neuankommender aus der Türkei über die Ostägäis gesunken. Das sei aber ein vorübergehender Zustand, meinen die griechischen Behörden und rechnen mit etwa 100.000 Flüchtlingen bis Ende des Monats.

EU-Migrationskommissar Avramopoulos wiederholte am Dienstag zu Gast in Idomeni die Absicht der EU-Kommission, jeden Monat 6000 Menschen aus Griechenland auf andere EU-Staaten umzuverteilen. Allein: Dafür müssten diese mitspielen – und davon ist man weit entfernt.

Weniger Ankömmlinge

Wie viele Menschen genau am Montag nach Mazedonien aufgebrochen sind und ob Flüchtlinge noch bei der mazedonischen Polizei in Gewahrsam sind, blieb am Dienstag unklar. Laut "Ärzte ohne Grenzen" hat Mazedonien etwa 500 Leute in der Nacht auf Dienstag zurück nach Griechenland "geschoben". Die Zeitung Kathimerini berichtet über 1000 Flüchtlinge, die die Mazedonier wieder auf griechischem Boden "ausgesetzt haben".

Derweil scheint sich die Zahl der Flüchtlinge im Lager Idomeni verkleinert zu haben – nach offiziellen Angaben auf 10.500 Menschen von zuletzt 12.000.