Politik | Ausland
16.03.2018

Geschafft: Söder in seiner Traumrolle

Markus Söder polarisiert und inszeniert sich gerne, nun bekommt er seine Traumrolle.

Es ist die scheinbar schwierige Entscheidung an diesem Morgen: Welche Krawatte soll er tragen? Die Frage stellt Markus Söder seinen Facebook-Anhängern, die er seit Wochen auf diesen für ihn besonderen Tag einstimmt: mal per Videobotschaft, wo er sich nervös wie ein Schulbub gibt, dann selbstbewusst ein Foto mit seinem politischen Mentor Edmund Stoiber postend – Titel: Diese Woche könnte ich ihm folgen.

Gestern war es dann soweit. Der bayerische Landtag wählte ihn mit absoluter Mehrheit zum Ministerpräsidenten. Wie Söder, Meister der Selbstinszenierung, diese Rolle angehen will? Mit versöhnlichen Tönen. "Machen und Kümmern", solle sein Motto werden. An dieser neuen Inszenierung als Landesvater arbeitet der 51-Jährige schon seit Monaten. Zuletzt ließ er ein Kostüm dafür sprechen. Bei der Fastnacht in Franken, wo er bisher als Gandalf, Marilyn Monroe oder Punk auffiel, hielt er als Prinzregent Luitpold Hof. Der sei volksnah gewesen und habe sich um die Menschen gekümmert, so Söder. Und der Adelsmann komme wie er aus Nürnberg, zum Regieren zog es ihn nach München.

Dass Söder dort auch einmal das Zepter schwingen will, wusste er früh. Während sich andere Jugendliche Starschnitte übers Bett klebten, hing bei ihm Franz-Josef Strauß. Sein Vater, Maurermeister und Patriarch, unterstützte die Pläne seines 16-jährigen Sohnes, in die CSU einzutreten. Mit 27 Jahren zog er in den Landtag ein. Fast zehn Jahre später kürte ihn Edmund Stoiber zum CSU-Generalsekretär, ehe er Minister wurde.

Und egal in welches Ministerium er sich noch so emsig einarbeitete - von Umwelt, Finanzen bis Heimat - er ließ dabei keine Gelegenheit zur Selbstvermarktung aus. Immer mit dabei: das Smartphone: Für ein Video springt er ins Wasser eines Nürnberger Sees, der unter seiner Ägide sauberer wurde. Oder nimmt dem Kapitän bei einer Schiffstaufe schnell die Mütze ab, um damit zu posieren. Viel Häme gab’s für seinen Fernsehauftritt in der Seifenoper "Dahoam is dahoam". Er spielte sich als Finanzminister und durfte über seine Leistungen in Bayern referieren, was peinlich und nach Pressetext klang.

Rivalität mit Seehofer

Für sein Ziel nahm er alles in Kauf. Ebenso den Streit mit Horst Seehofer, der bis ins Private ging. Seehofer warf Söder "Schmutzeleien" vor, bezeichnete ihn als vom "Ehrgeiz zerfressen". Solche Sätze sind für ihn erledigt, das ist lange her und durch, sagte er der Süddeutschen Zeitung.

So versöhnlich kennt man ihn erst seit der Bundestagswahl. Er muss gewittert haben, dass seine Zeit bald kommt. Lieber ließ er andere auf seinen Rivalen los, bis dieser sich zur Amtsübergabe durchgerungen hat.

Nur beim Politischen Aschermittwoch in Passau war er wieder so, wie ihn viele kennen: Er holzte verbal gegen die SPD und schrammte knapp am Rechtspopulisten-Jargon vorbei. Als er auch noch das alte Strauß-Zitat tönte, johlte die CDU-Basis: "Der Satz von Franz-Josef Strauß, dass es rechts von der CSU keine demokratisch legitimierte Partei geben darf, ist kein Satz für die Mottenkiste", so Söder.

Und für die Kanzlerin, deren Politik er gerne von Talkshows aus kritisierte, hatte er auch einen Seitenhieb parat: Er wolle die Amtszeit des Ministerpräsidenten beschränken – "diese Amtszeitbegrenzung ist nicht nur für Bayern gut, sie wäre auch ein Signal für Deutschland." Zehn Jahre müssten für den Ministerpräsidenten reichen, so der 51-Jährige. Das gelte auch für ihn. Aber was dann? Söder wäre nicht er, wenn er dafür nicht schon einen Plan hätte.