Politik | Ausland
24.10.2017

Manipulierte Pressefotos: Tillerson war nicht in Kabul

Die US-Regierung stellt Afghanistan gerne als zunehmend sicher dar. Offenbar hielt man die Hauptstadt aber für nicht geeignet, um den US-Außenminister zu empfangen. Und vertuschte das.

Die New York Times wirft dem US-Außenministerium unter Rex Tillerson und dem afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani Missinformation in Bezug auf ein Treffen der beiden vor.

Tillerson hatte am Montag bekanntgegeben, dass er Afghanistan einen Besuch abgestattet hat und sich laut einer offiziellen Presseerklärung in Kabul mit Ghani getroffen habe.

Diese Information ist offenbar falsch. Tillerson und Ghani trafen sich mit ihren Stäben gemäß des Bildmaterials, das ihre Büros verbreiteten, in einem fensterlosen Raum. Wer die Bilder gegenüberstellt wird aber wie bei einem Suchrätsel erkennen, dass sie sich unterscheiden. In der afghanischen Version war plötzlich eine Uhr und ein Brandmelder von der Wand verschwunden.

Grund für diese von Photoforensikern bestätigte Retuschierung dürfte sein, dass die Digitaluhr und der Brandmelder die wahre Örtlichkeit preisgegeben hätten: Eine US-Militärbasis. Laut New York Times habe das Meeting eben nicht in der Hauptstadt Kabul sondern in der Militärbasis Bagram stattgefunden. Diese ist etwa 75 Kilometer südlich von Kabul angesiedelt.

Die Diskussion ist deshalb brisant, weil die USA und die afghanische Regierung versuchen, Afghanistan als zunehmend sicher darzustellen. Offenbar hielt man die Hauptstadt aber nicht für sicher genug, um den US-Außenminister dort empfangen zu können. Erst im vergangenen Monat hatte nämlich Verteidigungsminister James Mattis Kabul besucht. Währenddessen seien mehr als 50 Raketen auf und rund um den Flughafen der Stadt eingeschlagen.