Travelers driving from Niamey, Niger, line up to be searched at the entrance of Gao, northern Mali, Tuesday, Feb. 12, 2013. Soldiers from Niger and Mali patrolled downtown Gao on foot Tuesday, combing the sand footpaths through empty market stalls to prevent radical Islamic fighters from returning to this embattled city in northern Mali. (AP Photo/Jerome Delay)

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Mali
02/16/2013

Islamisten hinterließen brisanten Brief

Das Schriftstück gibt einen Leitfaden zur Einführung der Scharia als Gesetzesgrundlage.

Es ist ein einmaliger Fund, den Reporter der AP in einem von den Islamisten verlassenen Amtsgebäude in Timbuktu machten. Ein Brief. Mit äußerst aufschlussreichem Inhalt. Es handelt sich um ein Schreiben von Abu Musab Abdul Wadud, auch bekannt als Abdelmalek Droukdel. Ein hoher Kommandant des nordafrikanischen Ablegers der El Kaida – eine jener Gruppen, die den Norden Malis zehn Monate besetzt gehalten hatten.

In dem Brief warnt Droukdel, bei der Einführung der Scharia diplomatisch vorzugehen. Seine Leute sollten sanfter, eher wie Eltern agieren. Er spricht von Nordmali als einem Baby, das noch lange nicht alleine gehen könne. Seine Kämpfer und Sub-Kommandanten kritisiert er für zu harte Vorgehensweise. „Jeder Fehler in dieser Lebensphase des Babys wird später eine schwere Last auf seinen Schultern sein.“

Brachialgewalt

Nach der Vertreibung der staatlichen Strukturen aus dem Norden Malis hatten sich die Rebellen vor allem mit einer brachialen Umsetzung der Scharia-Rechtssprechung hervorgetan: von Auspeitschungen über Amputationen zu Steinigungen.

Droukdels Bedenken sind aber nicht humanistischer Natur.Wie in dem Schreiben zu lesen ist, rechnet er sehr sicher mit einer militärischen Intervention, „die uns entweder dazu zwingen wird, uns auf unsere Rückzugsposten zurückzuziehen, oder einen Aufstand der Menschen gegen uns anstacheln wird“. Mit diesem Szenario im Hinterkopf dürfe man nicht zu weit gehen oder Risiken eingehen.

Würde man bei Einführung der Scharia die Umgebung, in der das geschehe, nicht berücksichtigen, werde das dazu führen, dass die Menschen die Religion ablehnen und Hass gegen die Mudschaheddin entwickeln – was zum „Scheitern unseres Experiments führt“.