Politik | Ausland
11.08.2017

Spielt Trump den Verrückten oder ist er es?

Im Konflikt mit Nordkorea könnte US-Präsident Donald Trump auf die "Madman Theory" setzen - hoffentlich. Nun droht er via Twitter mit einer militärischen Lösung.

Update 13:50: Via Twitter droht US-Präsident Trump nun Nordkorea mit einer militärischen Lösung, sollte das Regime nicht weise handeln. Die Waffen seien "geladen und entsichert".

Im Weißen Haus sitzt ein Verrückter. Niemand weiß, was er als nächstes tun wird. Und auf seinen Befehl hin fallen Atombomben. Es ist ein furchterregendes Szenario – und nein, wir sprechen (noch) nicht von Donald Trump. Im Oktober 1969 flogen US-Bomber entlang der sowjetischen Grenze, die US-Luftwaffe wurde angewiesen, die thermo-nuklearen Waffen der Vereinigten Staaten für einen unmittelbaren Einsatz vorzubereiten. Der Kalte Krieg drohte heiß zu werden und die ganze Erde stand am Rande der Vernichtung.

Madman Nixon

Den Sowjets wurde vermittelt, so erzählte es sein ehemaliger Stabschef H.R. Haldeman, dass Nixon „nicht zurückzuhalten ist, wenn er verärgert ist – und dass er den Finger auf dem Nuklearknopf hat“. Die sowjetische Führung sollte glauben, dass Nixon verrückt genug sei, einen Atomkrieg zu beginnen. Die Idee dahinter war zum einen, strategisch unberechenbar zu wirken und zum anderen, dass die Sowjetunion aufhören würde, die USA zu provozieren, wenn sie tatsächlich einen Atomschlag fürchten müssen. Die Taktik ging – von Nixon selbst so bezeichnet – als „Madman Theory“ in die Geschichte ein.

Fast forward ins Jahr 2017: Im Weißen Haus sitzt ein Verrückter. Auch er droht wie sein Gegenüber mit dem Atomwaffenarsenal. Sein Feind heißt nicht Leonid Breschnew, sondern Kim Jong-Un. „Feuer und Zorn“ werde er über Nordkorea bringen, „wie es die Welt noch nicht gesehen hat“, sagte der US-Präsident und legte später nach: Vielleicht sei diese Aussage noch nicht weit genug gegangen. Setzt Trump nun auch auf die „Madman Theory“?

USA müssen "unvorhersehbar werden"

Einiges deutet darauf hin: „Wir sind komplett vorhersehbar. Wir sagen alles. Wir schicken Truppen? Das sagen wir. Wir schicken etwas anderes? Wir machen eine Pressekonferenz. Wir müssen unvorhersehbar werden und zwar ab sofort“, sagte Kandidat Trump im Vorjahr. Seine Außenpolitik ist tatsächlich genau das: Unvorhersehbar. Er lässt aus dem Nichts Syrien bombardieren, lobt die Chinesen, bevor er sie wieder auf Twitter beschimpft, hält die Nato für obsolet und dann wieder für wichtig. Und nun droht er eben Nordkorea. Den Konflikt mit Nordkorea eskalierte er, um das Regime vor weiteren Raketentests zu warnen: Nordkorea reagierte mit einer verschärften Drohung: Es habe Pläne, das US-Territorium in Guam mit Raketen zu beschießen.

Bei Trump steht allerdings die Frage im Raum: Spielt er den Verrückten nur oder ist er es wirklich? Über seinen Geisteszustand wird immer wieder offen diskutiert, offenbar sogar im US-Senat. Eine außenpolitische Linie ist nicht erkennbar; dafür ist er bekannt dafür, eine kurze Aufmerksamkeitsspanne zu haben, Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen und die Ansichten seines jeweils letzten Gesprächspartners zu übernehmen. Und er betreibt, Politik via Tweet - und droht Nordkorea über das soziale Medium mit einem Krieg. Seine „Feuer und Zorn“-Bemerkungen waren improvisiert, standen nicht am Skript. Die „Madman Theory“ könnte die USA zudem international isolieren – wenn auch die Verbündeten die Befürchtung haben, dass tatsächlich ein Verrückter im Weißen Haus sitzt.

Nordkorea "paranoid"

Und weil bislang weithin angenommen wurde, dass Nordkoreas Diktator Kim Jong-Un der Durchgeknallte der beiden Staatschefs ist. Wobei der vermutlich dieselbe Taktik anwendet: Ex-Präsident Jimmy Carter glaubt wie viele andere Experten, dass die oft skurrilen Drohgebärden von Kim Jong-Un eine defensive Komponente haben. Carter hält das nordkoreanische Regime für „paranoid“, es würde dort der Glaube vorherrschen, dass die USA ihr Land zerstören wollen. Gegenüber stehen sich zwei Mad men, echte oder taktische.

Die Welt wird jedenfalls zunehmend nervös: Er habe Angst, „dass wir ähnlich wie im Ersten Weltkrieg schlafwandlerisch in einen Krieg hineinmarschieren“, sagte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel diese Woche. US-Politiker versuchen zu beschwichtigen. "Das ist typisch Trump. Er neigt zu Übertreibungen", sagte der bekannt Trump-kritische republikanische US-Senator John McCain zu den Drohungen des US-Präsidenten. In der Hoffnung, dass Trump den Verrückten tatsächlich nur spielt.