Politik | Ausland
08.05.2017

Macron: Hohe Arbeitslosigkeit als erste Hürde

3,5 Millionen ohne Job: Der neue Präsident muss Reformen angehen, an denen nicht nur sein Vorgänger scheiterte.

Jetzt steht zwar fest, wer als neues französisches Staatsoberhaupt in den Élysée-Palast einzieht. Viele seiner Landsleute erwarten sich jetzt einen Aufschwung, andere sind skeptisch. Letzte Umfragen vor der Stichwahl zeigten, dass gerade einmal jeder zweite Franzose glaubt, dass der nächste Präsident das drückendste Problem in den Griff bekommen kann: Die hohe Arbeitslosigkeit. Die liegt bei mehr als zehn Prozent. 3,5 Millionen Franzosen sind ohne Job. Noch dramatischer ist die Lage bei den Jungen. Jeder vierte unter 25 hat keinen Arbeitsplatz.

Kein Jobs für Junge

Der französische Arbeitsmarkt gilt als unflexibel – und somit wenig durchlässig für den Nachwuchs. Die Gewerkschaften kämpfen vorrangig für diejenigen, die bereits einen Arbeitsplatz haben. Das ist der Grund, weshalb in Frankreich alle nach einem unbefristeten Arbeitsvertrag streben – und ihn heute nur noch die wenigsten bekommen. Gerade die Jungen werden jahrelang in prekären Beschäftigungen gehalten. Eine Reform, die einen Mittelweg finden soll und so zuletzt die Interessen beider Generationen berücksichtigt, wird ebenso lang schon versprochen und geplant, wie sie blockiert wird.

Versuche, das Land zu reformieren, stoßen verlässlich auf Widerstand. Das zeigten etwa die monatelangen Proteste gegen eine nicht einmal weitreichende Arbeitsmarktreform vor einem Jahr.

Unternehmer klagen über Bürokratie und hohe Abgaben. Doch im Selbstverständnis einer Nation, die sich bis heute auch auf die Revolution von 1789 beruft, sind die Rechte von Arbeitnehmern ein hohes Gut und werden verteidigt, auch wenn sich diese Rechte längst gegen viele dieser Arbeitnehmer richten.

Der Ärger vieler Franzosen richtet sich gegen ihre Elite. Die hat sich mit der Globalisierung arrangiert und dabei übersehen, dass Mittelstand und Arbeiter Verlierer dieses Prozesses sind. Eine Grundstimmung zwischen Enttäuschung und Wut setzt sich bei den Menschen fest. Dazu wächst vor allem in der Linken der Zorn über wachsende Ungerechtigkeit. Man fühlt sich abgestoßen von dieser Entwicklung und damit von dem System, das sie verursacht hat.