Politik | Ausland
17.11.2017

Machtkampf um den bayerischen Erbhof

Die Koalitions- Sondierungen gehen zu Ende – und damit langsam auch Seehofers Schonfrist.

Der oberste Hemdknopf ist offen, ein leichtes Lächeln umspielt seine Lippen – wochenlang sondierte der Ober-Bayer gelassen mit der Souveränität eines Silberrückens in Berlin, überraschte mit optimistischen Wortspenden statt bissigen Sprüchen. Horst Seehofer schien nichts aus der Ruhe zu bringen.

Grund genug gäbe es allemal. Das historisch schlechte Wahlergebnis der CSU nährte den innerparteilichen Widerstand und die Nachfolgedebatte. Auch in den Umfragen verliert Seehofer zunehmend an Boden: 72 Prozent der Wähler sprachen sich demnach für seinen Abtritt aus.

Nicht nur die Jungen in der Union drängen auf einen Neuen, auch die Alten. So mahnte der Ex-CSU-Chef Erwin Huber kürzlich in Richtung Seehofer: "Die Demokratie kennt keine Erbhöfe, die man weitergeben kann."

Ein Jungbayer, der ihn zu gerne übernehmen würde, steht schon lange bereit: Markus Söder. Zuletzt ließ die Junge Union den bayerischen Finanzminister auf ihrem Parteitag mit "Markus, Markus, Markus"-Chören hochleben – und er sich neben Schildern mit "MP Söder"-Aufschrift ablichten. Bisher tat Horst Seehofer alles, um diese Übergabe zu vermeiden. Kritik an seiner Person wischte er weg, bezeichnete sie als "innerparteiliches Trommelfeuer", das den Sondierungsgesprächen schade.

Doch da sich die Verhandlungen in Berlin dem Ende neigen und Seehofer nach wochenlanger Schonfrist eigenen Angaben zufolge demnächst einen Personalvorschlag machen will, stellen sich viele die Frage: Was wird aus ihm? Welche Möglichkeiten bleiben ihm?

Die Doppelfunktion als Regierungs- und Parteichef wird er nicht lange halten können, ist der Münchner Politologe Stefan Wurster überzeugt. "Die Partei ist jetzt schon gespalten, das wäre verheerend. Auch wenn er beim Parteitag wieder antritt, würde er ein sehr schlechtes Ergebnis bekommen." Zudem sprach sich auch die Junge Union gegen ihn als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im kommenden Jahr aus. Es brauche einen "glaubwürdigen personellen Neuanfang" für 2018, heißt es in ihrer "Erlanger Erklärung."

Mögliche Szenarien

Wahrscheinlicher erscheint dem Experten, dass er zwar Parteichef bleibt, sich in ein Ministerium nach Berlin rettet und den Regierungssessel an einen Jüngeren abgibt. Damit wäre der interne Machtkampf vorerst beendet. "Seehofer ist im Prinzip ein Bundespolitiker, ob er sich das antut, ist auch eine persönliche Frage." Ebenso, ob er mit seinem Rivalen als Doppelspitze zusammenarbeiten will – angesichts der tiefen Gräben, die zwischen ihnen liegen, würde dies von beiden einen enormen Spagat verlangen.

Ein Szenario ohne Söder wäre möglich, wenn Seehofer seinen Vertrauten Joachim Herrmann als Innenminister der Jamaika-Koalition installiert und ihn zum CSU-Chef macht: Da dann mit Herrmann und Söder zwei Franken an der Spitze stehen, ist nur für einen Platz. Söder wäre draußen, seine Anhänger würden dies aber nicht akzeptieren, meint Wurster. "Das Manöver würde man als solches erkennen, das führe nur zu Verwerfungen."

Ob sich Seehofer zu einem geordneten Übergang durchringen kann – und ob, sein Nachfolger überhaupt das Erbe annimmt, hängt auch davon ab, was er ihm vermacht: mit all zu vielen Zugeständnissen an die Grünen in einem Jamaika-Bündnis wird er nicht punkten. Gut möglich, dass sich der Junge noch zurücklehnt und den anderen "schuften" lässt, um sich sein Erbe bei bestmöglicher Gelegenheit zu sichern – vielleicht erst als Spitzenkandidat 2018.