Politik | Ausland
07.06.2017

London-Anschlag: Toter aus Themse geborgen

Scotland Yard: Mann noch nicht offiziell identifiziert worden. Zuminest zwei der drei Täter waren den Behörden bekannt.

Nach dem Terroranschlag in London hat die Polizei einen Toten in der Themse gefunden. Der Mann sei noch nicht offiziell identifiziert worden, teilte Scotland Yard am Mittwoch mit. Es handle sich aber vermutlich um einen der Vermissten.

Bei den Attacken auf der London Bridge und am nahen Borough Market hatten Terroristen am Samstagabend mehrere Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Bisher hat die Polizei offiziell drei Todesopfer identifiziert. In den Medien kursieren aber weitere Namen.

Täter keine Unbekannten

Alle drei Attentäter des Londoner Terroranschlags waren Berichten zufolge den Behörden bekannt. Die italienische Polizei bestätigte am Mittwoch, sie hätten die britischen Geheimdienste über Joussef Zaghba informiert. Schon zuvor hatte sich herausgestellt, dass auch die anderen beiden Angreifer von der London Bridge zeitweise auf dem Radar der Behörden gewesen waren.

Der 22-jährige Zaghba, ein Italiener marokkanischer Herkunft, war demnach im März 2016 auf dem Flughafen von Bologna festgenommen worden. Die italienischen Behörden sahen aber nicht genügend Beweise, um ihn wegen Terrorismus belangen zu können. Vielmehr habe Zaghba am Flughafen Verdacht geschürt, weil er lediglich mit einem Rucksack nach Istanbul reisen wollte und sich merkwürdig verhalten habe, sagte Staatsanwalt Giuseppe Amato dem Radiosender Radio 24. So soll er dem kontrollierenden Beamten zunächst gesagt haben, er wolle ein Terrorist werden, er habe sich dann aber korrigiert.

Zaghba wurde anschließend wieder freigelassen. Die britischen Geheimdienste seien aber informiert worden, dass er potenziell gefährlich sein könnte, sagte Amato weiter. In Italien sei er zudem "immer überwacht" worden. Auch die anderen beiden Täter sollen keine unbeschriebenen Blätter gewesen sein. Italiens Polizeichef Franco Gabrielli sieht keinen Grund für Vorwürfe an die Geheimdienste seines Landes. Italien habe ein "reines" Gewissen, zitierte die Nachrichtenagentur ANSA Gabrielli während einer Veranstaltung auf der Insel Lampedusa. Er wolle zudem keinen Streit mit britischen Amtskollegen lostreten, fügte er hinzu.

Ein weiterer London-Attentäter, Khuram Shazad Butt (27), ein in Pakistan geborener Brite, hatte seine Gesinnung nicht verborgen und sogar in einer TV-Dokumentation mit einer Fahne der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) posiert. Er war der Polizei und dem Inlandsgeheimdienst MI5 bekannt. Trotz seiner radikalen Ansichten arbeitete er 2016 mehrere Monate für die Londoner U-Bahn. Die Sicherheitskräfte stuften ihn als nachrangig ein. Rachid Redouane (30), ein Marokkaner, der sich auch als Libyer ausgegeben hat, soll Berichten zufolge in Großbritannien Asyl gesucht haben. Sein Antrag sei aber 2009 abgelehnt worden. Sicherheitskreise in Irland bestätigten, er habe 2012 in Dublin eine Britin geheiratet und sich damit das Bleiberecht für Großbritannien gesichert. Die Polizei sagte, er sei den Behörden "nicht bekannt" gewesen.