Ein US-Soldat zeigt einer interessierten Litauerin seine Waffe.

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Politik | Ausland
03/25/2015

Ein Land bereitet sich auf Krieg vor

Ukraine-Krise: Litauen fürchtet eine Invasion Russlands nach ukrainischem Beispiel.

In Brüssel trat Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite wieder einmal als schärfste Kritikerin des Kreml auf – sie verlangte nicht eine Verlängerung, sondern eine Verschärfung der Sanktionen. Neue Gespräche mit Moskau hält sie derzeit für "sinnlos".

Das baltische Land und NATO-Mitglied mit seinen knapp drei Millionen Einwohnern scheint derzeit ernsthaft mit einer russischen Invasion zu rechnen. Die Ex-Sowjetrepublik fürchtet angesichts der Ukraine-Krise, dass Russland auch bei Litauen Gebietsansprüche anmelden könnte. Schließlich riegelt Litauen die Oblast Kaliningrad vom Moskau-treuen Weißrussland ab, Russland könnte einen "Korridor" verlangen, so Marius Laurinavicius, ein Experte vom "Osteuropäischen Analyse-Zentrum" in Vilnius.

Das Parlament hat zuletzt mit großer Mehrheit die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt. Erste Rekruten sollen im Sommer eingezogen werden. Derzeit umfasst die Armee 8000 Berufssoldaten und 4500 Freiwillige.

Drei Tage

Sollte Russland angreifen, würden Eingreiftruppen der NATO, die gerade gebildet werden, drei Tage brauchen, um vor Ort zu sein. Solange müsse man sich selbst verteidigen können, so Grybauskaite, die Russland einen "Terrorstaat" nennt und mehr NATO-Präsenz fordert. Je mehr ausländische Soldaten im Land, desto weniger würde sich Russland erlauben, lautet die Rechnung.

Am meisten beunruhigen Litauen aktuell Iskander-Raketen in Kaliningrad. Sie können mit Atom-Sprengköpfen bestückt werden. Mittlerweile werden in Litauens Schulen auf Geheiß des Verteidigungsministeriums Handbücher zum Überleben bei Bombenangriffen verteilt, es gibt auch Luftschutzübungen. Zugleich sind Soldaten auf den Straßen der Hauptstadt Vilnius präsenter denn je.

Litauens Außenminister Linkevičius fordert offen NATO-Waffenlieferungen an die Ukraine. Litauen selbst lieferte nicht näher bezeichnete "leichte Waffen".

Ein weiterer Streitpunkt ist russisches Gas, von dem man bisher zu hundert Prozent abhängig war. Seit Ende 2014 kann Erdgas aus Norwegen durch einen Flüssiggas-Hafen importiert werden. Mit dem russischen Konzern Gazprom streitet das Land seit 2012 vor einem Schiedsgericht über zu hohe Preise. Die Entscheidung soll im Herbst fallen, die geforderte Entschädigung von 1,5 Mrd. Dollar hat Litauen bereits ins Budget einkalkuliert.