Politik | Ausland
28.05.2017

Libysche Gruppe Ansar al-Sharia lösen sich auf

Die von den USA und der UNO als Terrororganisation eingestufte Gruppe hatte sich im Jahr 2014 dem IS angeschlossen.

Eine der ehemals größten libyschen Dschihadistengruppen löst sich auf: Ansar al-Sharia erklärte am Samstag im Internet, sie werde ihren bewaffneten Kampf nicht fortsetzen. Ansar al-Sharia wird von den USA und der UNO als Terrororganisation eingestuft. Washington macht sie für den Anschlag mit vier Toten auf das US-Konsulat in der ostlibyschen Stadt Benghazi vom 11. September 2012 verantwortlich.

In der im Internet veröffentlichten Erklärung räumt die Gruppe ein, durch die jahrelangen Kämpfe in ihren früheren Hochburgen im Osten Libyens "geschwächt" zu sein. Zahlreiche Kämpfer von Ansar al-Sharia sind zudem zu der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) übergelaufen. Ansar al-Sharia hatte sich im Jahr 2014 dem IS angeschlossen.

Ansar al-Sharia bedeutet in Arabisch "Anhänger des islamischen Gesetzes". Der Gruppe werden zahlreiche Anschläge zur Last gelegt, darunter auch der auf das US-Konsulat in Bengasi 2012. Dabei wurden der Botschafter Christopher Stevens getötet sowie drei weitere US-Bürger.

Die Gruppe hatte Verbindungen zu dem Terrornetzwerk Al-Kaida. Ihr Anführer Mohamad Asahawi war Ende 2014 bei Kämpfen gegen Truppen des abtrünnigen Generals Khalifa Haftar getötet worden. Haftar kämpft im Osten Libyens gegen Regierungstruppen sowie Aufständische.

Im Vakuum nach Gaddafi entstanden

Ansar al-Sharia war wie andere bewaffnete Gruppen nach dem Sturz und dem Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 entstanden. Die Gruppe war nicht nur in der zweitgrößten libyschen Stadt Benghazi aktiv, sondern auch in Derna sowie in Gaddafis Heimatstadt Sirte. Benghazi wird aber inzwischen zu großen Teilen von Haftars Truppen kontrolliert.

Seit dem Tod Gaddafis beherrschen konkurrierende bewaffnete Söldnertruppen das ölreiche Land. Auch die IS-Miliz nutzte die unübersichtliche Lage aus, um sich in dem nordafrikanischen Staat auszubreiten.