Politik | Ausland
05.12.2011

Libyens Ex-Außenminister packt aus

Abdurrahman Shalgam war von 2000 bis 2009 im Amt. Nun berichtet er von schmutzigen Geschäften, Attentaten und anderen Greueltaten.

Fünf Monate nach Beginn des Aufstandes gegen den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi packt dessen früherer Außenminister aus. Abdurrahman Shalgam, der von 2000 bis 2009 Minister war, berichtet von schmutzigen Geschäften, Attentaten und barbarischen Racheakten. In Interviews mit der arabischen Zeitung "Al-Hayat" (Samstag) erzählt er unter anderem, wie Gaddafi 1983 einen ehemaligen Weggefährten, der nach einem gescheiterten Putschversuch ins Exil gegangen war, aus Marokko zurückholen ließ, um ihn in Libyen "wie ein Schaf zu schlachten". Angeblich zahlte Gaddafi dafür an die Marokkaner 200.000 US-Dollar (140.000 Euro).

Dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak soll Gaddafi ein Flugzeug geschenkt haben. Der langjährige ägyptische Geheimdienstchef Omar Suleiman, der auch im Nahost-Friedensprozess eine Rolle spielte, war nach Angaben des Ex-Diplomaten "Libyens Mann in Ägypten". Im Jemen unterstützte Gaddafi laut Shalgam verschiedene bewaffnete Gruppen.

Auch über die Macken des Gewaltherrschers breitet sich Shalgam aus. Angeblich hasst es Gaddafi, Dokumente zu unterzeichnen. Er regiere lieber mit telefonischen Anweisungen, sagt Shalgam.

Was niemanden überrascht, der Gaddafi kennt: "Er hält sich selbst für eine außergewöhnliche Persönlichkeit", urteilt Shalgam. Der Politiker hatte den Ministerposten 2009 an Moussa Koussa abgegeben und war Botschafter Libyens bei den Vereinten Nationen in New York geworden. Sowohl Koussa als auch Shalgam reichten ihren Rücktritt ein, nachdem Gaddafi begonnen hatte, den Aufstand gegen sein Regime mit der Armee und ausländischen Söldnern zu bekämpfen.