Politik | Ausland
06.08.2017

Schiff rechtsextremer Aktivisten verfolgte "Aquarius"

Die "C-Star", ein Schiff der vom Verfassungsschutz beobachteten Identitären Bewegung, soll 30 bis 45 Minuten das Rettungsschiff verfolgt haben.

Ein Schiff rechtsextremer Aktivisten, die Flüchtlinge an der Überfahrt nach Europa hindern wollen, hat vor der libyschen Küste das Rettungsschiff "Aquarius" verfolgt. Die "C-Star" traf am Samstag in einem Gebiet rund 20 Seemeilen vor Libyen ein, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP an Bord der "Aquarius" berichtete.

30 bis 45 Minuten fuhr das Schiff demnach mit einem Abstand von wenigen hundert Metern hinter der "Aquarius" her, später folgte es dem Rettungsschiff aus größerer Distanz. Die Besatzung der "Aquarius", die von den beiden Hilfsorganisationen SOS Mediterranee und Ärzte ohne Grenzen betrieben wird, wollte sich nicht dazu äußern, ob sie die Nähe der "C-Star" als Bedrohung empfindet. Während die "C-Star" in der Nähe war, fuhr das Rettungsschiff allerdings mit doppelter Geschwindigkeit.

Hinweis: Zwei KURIER-Reporter begleiten aktuell die Crew eines Rettungsschiffes von Ärzte ohne Grenzen im Mittelmeer. Hier berichten sie regelmäßig über die Ereignisse an Bord.

Gestoppt und festgenommen

Das von der Gruppe Defend Europe gecharterte Schiff hatte Anfang Juli den Hafen von Dschibuti verlassen und hatte über den Suez-Kanal und Zypern Kurs auf die libysche Küste genommen. Hinter der Aktion stehen österreichische, deutsche, französische und italienische Mitglieder der Identitären Bewegung, die in Österreich vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Die Rechtsextremisten hatten Mitte Mai eine Kampagne im Internet gestartet und 76.000 Euro für die Anmietung des Schiffs eingesammelt. Vor der libyschen Küste will die Besatzung der "C-Star" die Küstenwache auf Flüchtlingsboote aufmerksam machen, damit diese die Flüchtlinge zurück in das nordafrikanische Land bringt.

Die rechten Aktivisten wollen damit gegen die Arbeit der privaten Seenotrettungsorganisationen im Mittelmeer protestieren, die vor Libyen Schiffbrüchige retten und die Flüchtlinge dann nach Europa bringen. Doch bereits kurz nachdem die Segel gesetzt wurden, stoppten ägyptische Behörden das Schiff. "Reine Routinekontrolle", hieß es vonseiten der Identitären. Euronews zitiert hingegen die Behörde: Es fehlten die nötigen Papiere.

Kurz darauf wurde die Crew in Nordzypern vorübergehend festgenommen und ein Haftbefehl für einen Tag angeordnet, wie die nordzypriotische Zeitung Kibris gazetesi berichtete.