Politik | Ausland 05.12.2011

Libyen: Gaddafi-Vertraute laufen über

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Auch ein ranghoher Offizier des Geheimdienstes stellt seine Dienste der Revolution zur Verfügung. In der Nacht gab es erneut schwere Gefechte.

Nach der Eroberung der Hauptstadt Tripolis durch die Rebellen laufen immer mehr Vertraute des langjährigen Machthabers Muammar Gaddafi zu den Aufständischen über. Die Nummer Zwei des libyschen Geheimdienstes, Khalifah Mohammad Ali, erklärte am Mittwochabend im Fernsehsender Al-Arabiya, er stelle seine Dienste der Revolution vom 17. Februar zur Verfügung. Zugleich rief er alle weiteren Geheimdienstmitarbeiter und Soldaten auf, seinem Beispiel zu folgen.

Selbst Gaddafis Gesundheitsminister Mohammed Hijazi wechselte die Seiten und begründete den Schritt mit der Eroberung der Hauptstadt. Trotz dieses Erfolgs ermahnte er die Aufständischen zur Vorsicht: "Das Gaddafi-Regime hat so seine Tricks und Taktiken. Man muss mit allem rechnen. Ich warne die Rebellen, bleibt wachsam."

Jagd auf Verwandte und Vertraute

In Tripolis hielten die Gefechte zwischen Aufständischen und Regierungstruppen auch in der Nacht auf Donnerstag an. Rebellen machten jagt auf Vertraute und Verwandte des einstigen Revolutionsführers. Im Hotel Corinthia gingen Kämpfer von Zimmer zu Zimmer auf der Suche nach Gaddafis Sohn Saadi. Schwere Kämpfe brachen nach Rebellenangaben auch rund um ein Anwesen in Tripolis aus, auf dem sich der Militärchef Abdul Rahman Al Syd verschanzt haben soll. Nahe des gestürmten Gaddafi-Komplexes Bab al-Aziziyah kam es ebenfalls zu Gefechten.

Kopfgeld

Die Gegner von Gaddafi hatten zuvor ein Kopfgeld auf den langjährigen Machthaber ausgesetzt. Ein Geschäftsmann aus Benghazi habe eine Belohnung von umgerechnet etwas mehr als einer Million Euro für die Ergreifung Gaddafis ausgesetzt, sagt der Chef des Übergangsrats der Rebellen, Mustafa Abdel Jalil, vor Journalisten. Außerdem versprachen die Aufständischen denjenigen aus Gaddafis Umgebung eine Amnestie, die ihn gefangen nehmen oder töten. Es wird vermutet, dass sich Gaddafi noch in Tripolis oder in der Nähe der Hauptstadt befindet. Seinen Rückzug aus Bab al-Aziziyah hatte Gaddafi nur als "taktisches Manöver" bezeichnet.

"Es ist noch nicht vorbei"

Die Revolution ist noch nicht vorbei, die Kämpfe dauern an.
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Die Schlacht um Libyen sei noch nicht gewonnen, warnte der Präsident des Übergangsrats der Aufständischen, Mustafa Abdul Jalil. "Das wird erst passieren, wenn Gaddafi und seine Söhne gefangen sind." Er wolle keine Racheakte und Exekutionen, so Jalil, Gaddafi und seine Familie sollten vor Gericht gestellt werden. Auch der britische Außenminister Hague gab sich abwartend: "Wir sehen den Todeskampf des Regimes, aber es ist noch immer eine schwierige, gefährliche Zeit. Es ist noch nicht vorbei."

Erstellt am 05.12.2011