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Libyen: Ex-Geheimdienstchef Senussi gefasst
Nach der Festnahme von Saif al-Islam, Sohn des getöteten Machthabers Gaddafi, wurde nun auch der Schwager des Diktators gefasst.
In
Libyen ist nach Angaben des Übergangsrats auch der ehemalige Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi gefasst worden. Ein ranghoher Vertreter des Übergangsrats, der namentlich nicht genannt werden wollte, teilte am Sonntag mit, Senussi sei in der Region Al-Gira im Süden Libyens gestellt worden. Er habe keinen Widerstand geleistet.
Brigaden ehemaliger Rebellenkämpfer hätten den 62-jährigen Schwager des getöteten Machthabers im Haus seiner Schwester festgenommen, sagte der für Al-Gira zuständige Chef des Militärrats von Wadi Shati, Bashir al-Ueidat. Senussi werde den Behörden des Übergangsrats übergeben. Saif al-Islam und Senussi waren monatelang auf der Flucht.
Über die Umstände der Festnahme machte er zunächst keine Angaben. Der Sender Free Libya TV berichtete, das Bataillon von Jefel Fazzan habe Senussi im Haus seiner Schwester bei Sabha gefangen genommen. Senussi wurde vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (IStGH) wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ebenso per Haftbefehl gesucht wie der in der Nacht zum Samstag gefasste Sohn des getöteten libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam.
Gaddafi-Sohn wollte sich absetzen

Saif al-Islam, der Sohn des getöteten Machthabers Muammar al-Gaddafi, wurde in der Nacht zum Samstag in der Region Wadi al-Ajal im Südwesten Libyens festgenommen, wie der Brigadenchef der Stadt Zintan, Al-Ajmi al-Atiri, am Sonntag bekannt gab. Seine Brigade war demnach zusammen mit Kämpfern aus der Region Targen für die
Festnahme verantwortlich.
Ein weiterer an der Festnahme beteiligter Kämpfer sagte, Saif al-Islam sei gemeinsam mit fünf Begleitern in einem Konvoi aus zwei Fahrzeugen gefasst worden. Die Männer seien bewaffnet gewesen, hätten aber keine Zeit gehabt, sich zu wehren. Saif al-Islam soll versucht haben, sich in den Niger abzusetzen, einer seiner Begleiter soll die Wegstrecke jedoch an die Kämpfer der neuen Führung verraten haben.
Saif al-Islam wurde nach seiner Festnahme in das 170 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Tripolis gelegene Zintan geflogen. Ein Foto zeigte, dass er an einer Hand verletzt war. Nach Angaben von Militärführern wurde er verletzt, als sein Konvoi Mitte Oktober bei der Flucht aus der gefallenen Gaddafi-Hochburg Bani Walid bombardiert wurde.
Tauziehen um Auslieferung
Der Justizminister des Übergangsrats, Mohammed al-Allagi, sagte, der Prozess gegen Saif al-Islam in Libyen solle stattfinden, "denn die örtliche Justiz ist die Regel und die internationale Justiz die Ausnahme". Saif al-Islam werde ein faires Verfahren erhalten. Ein Sprecher des
IStGH erklärte, die Möglichkeit, den Prozess in Libyen abzuhalten, könne erörtert werden.
Die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch forderten eine Überstellung Saif al-Islams nach Den Haag. Ansonsten drohe ihm das gleiche Schicksal wie seinem Vater und seinem Bruder Motassim, die nach ihrer Festnahme getötet worden waren.
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