Kongos Oppositions-Veteran Etienne Tshisekedi ist tot

Etienne Tshisekedi
Die Umstände seines Todes blieben zunächst unklar. Nach Angaben aus seinem Umfeld wollte er sich in der belgischen Hauptstadt medizinisch behandeln lassen.

Der kongolesische Oppositionspolitiker Etienne Tshisekedi ist tot. Der langjährige Gegenspieler des früheren Machthabers Mobutu Sese Seko sei am Mittwoch in Brüssel verstorben, sagte Bruno Tshibala, Generalsekretär von Tshisekedis Partei UDPS, der Nachrichtenagentur AFP. Tshisekedi wurde 84 Jahre alt.

Die Umstände seines Todes blieben zunächst unklar. Inmitten einer politischen Krise in der Demokratischen Republik Kongo war Tshisekedi vor acht Tagen nach Brüssel geflogen. Nach Angaben aus seinem Umfeld wollte er sich in der belgischen Hauptstadt medizinisch behandeln lassen.

Auf Einsatz von Gewalt verzichtet

Tshisekedi war seit der Unabhängigkeit des Kongo von der Kolonialmacht Belgien einer der maßgeblichen Politiker des Landes. In den 60er Jahren diente er zunächst dem Präsidenten Mobutu, wandte sich jedoch in den 70er Jahren gegen den autoritär regierenden Herrscher. Nach einem Gefängnisaufenthalt gründete Tshisekedi 1982 die Partei Union für Demokratie und sozialen Fortschritt (UDPS) mit.

Von einer dreitägigen Amtszeit als Regierungschef des Landes abgesehen war es Tshisekedi nie gelungen, sich gegen Mobutu oder dessen Nachfolger Laurent Kabila durchzusetzen. Zuletzt unterlag Tshisekedi im Jahr 2011 dem seit 2001 regierenden Joseph Kabila in einer von vielen Unregelmäßigkeiten überschatteten Präsidentschaftswahl. Anders als viele seiner Gegner hatte Tshisekedi stets auf den Einsatz von Gewalt verzichtet.

Tränengas gegen Anhänger

In der Hauptstadt Kinshasa setzen Sicherheitskräfte am Mittwochabend Tränengas ein gegen Anhänger des verstorbenen Politikers. Seit Monaten herrscht in dem Land große Anspannung, weil Kabila nicht wie von der Verfassung vorgesehen im Dezember abgetreten ist.

Nach wochenlangen Protesten gegen Kabila hatten Regierung und Opposition an Silvester ein Abkommen über einen politischen Übergangsprozess unterzeichnet. Demnach bleibt Kabila bis zu neuen Wahlen Ende 2017 im Amt, für die Übergangszeit sollen ein Nationaler Übergangsrat und ein Ministerpräsident aus dem Oppositionslager eingesetzt werden. Die Umsetzung des Abkommens steht aber noch aus.

Kommentare