Frenetischer Jubel für die kurdische Verstärkung: Die ersten Peschmerga-Kämpfer aus dem Irak passierten in der Nacht auf Mittwoch die Grenze zur Türkei und sollen von dort aus nach Kobane einziehen.

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Türkei
10/30/2014

"Kobane ist eine Frage der Menschlichkeit"

Zähneknirschend lässt Ankara Kurden Kurden helfen – eine Einheit, die es fürchtet.

Selma Irmak hat nicht viel geschlafen. Es war eine lange Nacht. Um sechs Uhr Früh fuhren 38 Wagen der irakischen Peschmerga über die Grenze in die Türkei, um später den in Kobane in Syrien kämpfenden Kurden Schützenhilfe zu leisten (mehr dazu siehe hier). Selma Irmak ist Co-Vorsitzende des Demokratischen Gesellschaftskongresses, ein Dachverband von vor allem kurdischen und linken Oppositionsparteien, der sich als Proto-Parlament versteht. "Kobane hat die Kurden vereint", sagt Selma Irmak, und "wenn die Kurden keine Einheit finden, werden sie nie in Sicherheit leben".

Es ist genau diese Einheit, die türkische Stellen fürchten. Kobane ist auch in der Türkei zu einem Symbol geworden. "Alles, was wir essen, was wir trinken, ist Kobane, alles dreht sich um Kobane", erklärt eine Frauenaktivistin kämpferisch in Diyarbakir.

Zähneknirschend hatte die türkische Regierung den Korridor für die türkischen Peschmerga aus dem Irak zugestimmt – und auch eigene Schritte gesetzt: Sie ließ auch Einheiten der freien syrischen Armee (FSA) über türkisches Territorium nach Kobane. Die Türkei hatte die FSA seit Anfang des syrischen Bürgerkriegs gegen Diktator Assad unterstützt. Die Kurden dagegen hatten sowohl mit der FSA als auch mit der Armee einen Nichtangriffspakt. Durch die Waffenbruderschaft mit der FSA könnte der jetzt in Gefahr geraten.

Für Selma Irmak ist der innertürkische Friedensprozess zwischen Regierung und PKK zu einem Stillstand gekommen. Nach Ausschreitungen und vereinzelten Schussattentaten der vergangenen Wochen fordert sie die Einrichtung einer ständig tagenden Kontaktgruppe oder Schlichtungsstelle. Jene, die Gewalt schürten, nennt sie "dunkle Gruppen", die den Friedensprozess stören wollten. Sie fordert eine Verfassungsänderung, die den Kurden mehr Rechte gewährt – aber auch die Schaffung eines kurdischen Nationalkongresses, der kurdische Interessen über Staatsgrenzen hinweg vertritt.

Aus Kobane wurden am Mittwoch schwere Kämpfe gemeldet. In Selma Irmaks Büro sind die Live-Bilder der Stadt im Fernsehen zu sehen. "Kobane", sagt sie, "ist eine Frage der Menschlichkeit. Kobane wird siegen."

SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder, der mit der Grünen Berivan Aslan und SP-Menschenrechtssprecherin Elisabeth Purtscheller in der Südtürkei weilt, hat bei Gesprächen in Diyarbakir eine Streichung der PKK von der Terrorliste gefordert.

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