Der Waffendealer der Hisbollah, Hassan al-Lakkis, wurde getötet

© APA/EPA/HEZBOLLAH MEDIA OFFICE / HANDOUT

Libanon-Hisbollah
12/04/2013

Killer-Kommando erschoss Waffen-Einkäufer

Offenbar Vergeltungsaktion für Engagement der Schiiten-Miliz an Seite Assads in Syrien.

von Norbert Jessen

Die Attentäter hatten nur ein Ziel: Hadsch Hassan Haulo al-Lakkis musste sterben. Als der Logistik-Chef der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah in der Nacht zum Mittwoch seine Gelände-Limousine im St.-Theres-Viertel in der Hauptstadt Beirut parken wollte, schnitt ihm ein abgedunkelter Jeep erst den Weg ab. Heraus sprangen fünf Bewaffnete. Jeder schoss mit Schalldämpfer eine Kugel auf Kopf und Hals des 43-Jährigen. Für die Hisbollah war sofort klar: „Einzig und allein Israel kommt für diesen Anschlag infrage.“ Doch dann übernahm eine bisher unbekannte sunnitische Miliz aus dem El-Kaida-Umfeld die Verantwortung.

Israelische Täter passen der Hisbollah besser ins Konzept. Sie kämpft zurzeit an der Seite des syrischen Machthabers Bashar al-Assad gegen die Aufständischen. Und so verliert die Hisbollah ihren Ruf als libanesische Verteidigungskraft. Sie wird vermehrt als Handlanger Assads und des Iran gesehen. Womit der Libanon mit seinen ohnehin zerstrittenen Religionsgruppen immer tiefer in den Krieg im Nachbarland hineingezogen wird.

Konkret: Sunnitische Rebellen aus Syrien schlagen vermehrt gegen die verfeindete Schiiten-Miliz in Beirut zu. Am Wochenende etwa tötete ein Selbstmordbomber Dutzende Zivilisten neben der iranischen Botschaft in der libanesischen Hauptstadt.

Auch in Teheran wurde „der zionistische Feind“ als Drahtzieher ausgemacht. Ein Sprecher in Jerusalem winkte ab: Das seien „reflexhafte Vorwürfe, ohne Beweise und Bezug zur Realität“. Israelische Medien verwiesen höhnisch auf einen Bericht des Senders Al-Manar der Hisbollah. Darin heißt es, es gebe eine Reihe von Spuren am Tatort, doch keine führe nach Israel. Darauf der Reporter: Die falschen Fährten seien von „israelischen Agenten absichtlich zur Täuschung gelegt“ worden.

Drohnen und Giftgas

Al-Lakkis verschaffte Israel wie den syrischen Rebellen mehr als ein Tötungsmotiv. Er war mehr als ein „besserer Waffenhändler“. Sogar in Hisbollah-Kreisen war der Kommandeur der abgeschirmten „Abteilung Technologie & Kommunikation“ kaum bekannt. Über sie besorgte er der Hisbollah Waffensysteme, wie sie sonst nur Staaten haben: Luftabwehr, unbemannte Luftfahrzeuge (Drohnen), Bio-Waffen und Giftgas.

Al-Lakkis stand direkt mit den iranischen Revolutionsgarden und dem syrischen Geheimdienst in Verbindung. Israels Armee wie die syrischen Aufständischen sahen sich durch Al-Lakkis massiv bedroht.

Hisbollah-Chef Nasrallah war nur Stunden vor dem Anschlag noch bemüht, die sunnitischen Ölstaaten und Geldgeber der syrischen Rebellen friedlich zu stimmen. Das Genfer Atom-Abkommen zeige das Ende der US-Vorherrschaft in Nahost an. Saudi-Arabien sei daher alleine als Schutzmacht der sunnitischen Araber zu sehen. Jede weitere militärische Einmischung in Syrien sei aber Wahnsinn. „Daher rufe ich alle Beteiligten auf, eine politische Lösung anzustreben.“

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