Politik | Ausland
29.10.2017

Hunderttausende gegen Abspaltung: "Katalonien - das sind wir alle"

Die spanische Zentralregierung hatte am Freitag die Zwangsverwaltung Kataloniens beschlossen, nachdem das katalanische Regionalparlament die Unabhängigkeit der Region erklärt hatte.

In der katalanischen Regionalhauptstadt Barcelona haben am Sonntag hunderttausende Menschen gegen die Abspaltung von Spanien demonstriert. Nach Angaben der Polizei gingen rund 300.000 Unabhängigkeitsgegner auf die Straße, die Organisatoren gaben die Zahl der Teilnehmer mit über einer Million an. Der Marsch stand unter dem Motto " Katalonien - das sind wir alle".

Die spanische Zentralregierung hatte am Freitag die Zwangsverwaltung Kataloniens beschlossen, nachdem das katalanische Regionalparlament die Unabhängigkeit der Region erklärt hatte. Regionalpräsident Carles Puigdemont und seine Regierung wurden des Amtes enthoben. Für den 21. Dezember setzte die Zentralregierung in Madrid Neuwahlen in Katalonien an.

Die Unabhängigkeitserklärung sei eine nicht hinnehmbare Bevormundung der Mehrheit der Bürger in Katalonien sowie der "Raub eines Teils des Territoriums" aller Spanier, stellte Rajoy klar. Dennoch wolle man in "friedlicher und moderater Form" reagieren, so der Ministerpräsident, der wiederholt darauf hinwies, dass es ihm darum ginge, die Selbstverwaltung Kataloniens unter anderen Vorzeichen wiederherzustellen.

Mehrheit für Neuwahl

Nach der wochenlangen Zuspitzung im Unabhängigkeitsprozess will die Mehrheit der Katalanen Neuwahlen, um wieder zur politischen und gesellschaftlichen Normalität zurückzukehren. Das geht aus einer am Sonntag von der spanischen Tageszeitung El Pais veröffentlichten Umfrage hervor.

Laut der repräsentativen Umfrage des renommierten Meinungsforschungsinstituts Metroscopia sprachen sich bereits vor den von der spanischen Zentralregierung am Freitag angekündigten Neuwahlen in Katalonien 53 Prozent der Befragten ebenfalls dafür aus. Sogar ein Drittel der Unterstützer von Kataloniens separatistischem, von Madrid mittlerweile abgesetztem Ministerpräsidenten Carles Puigdemont sind dafür. 43 Prozent lehnten Wahlen zur Lösung des derzeitigen Konflikts ab.

Sollte bereits heute gewählt werden, könnten die separatistischen Parteien im katalanischen Regionalparlament sogar ihre bisherige Mehrheit verlieren. Laut einer am Sonntag von der Zeitung "El Mundo" veröffentlichten Umfrage, würden die separatistischen Linksrepublikaner (ERC), Puigdemonts Nationalisten PDeCAT und die linksradikale CUP sieben Sitze verlieren und nur noch auf 65 Abgeordnete kommen. Damit hätten sie drei Sitze zu wenig, um auf eine regierungsfähige Mehrheit von 68 zu kommen.