Politik | Ausland
29.11.2017

Trudeau entschuldigte sich bei Homosexuellen

Premierminister Trudeau kündigt eine Zahlung von mehr als 67 Millionen Euro an Opfer staatlicher Drangsalierung an. Zwischen den 1950ern und 1990ern wurden Kanadier im Bundesdienst diskriminiert weil man sie für gegenüber den Sowjets erpressbar hielt.

Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat sich offiziell bei den Schwulen und Lesben des Landes für die jahrzehntelange Diskriminierung durch den Staat entschuldigt.

In einer Rede vor dem Parlament in Ottawa sagte Trudeau am Dienstag: "Im Namen der Regierung, des Parlaments und des kanadischen Volkes: Wir haben Fehler gemacht. Es tut uns leid. Wir werden niemals zulassen, dass so etwas noch einmal passiert."

Mit der Entschuldigung wandte sich Trudeau an Kanadier, die zwischen den 1950er und 1990er-Jahren in Kanadas Bundesbehörden, der Armee, der Bundespolizei und den Geheimdiensten wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert und teilweise aus dem Staatsdienst entlassen worden waren. Der Premierminister kündigte die Zahlung von umgerechnet mehr als 67 Millionen Euro an, um eine Sammelklage tausender Kanadier wegen ihrer Entlassung aus Gründen der sexuellen Orientierung beizulegen.

Furcht vor Erpressung durch Sowjets

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Kanadas Behörden systematisch Schwule und Lesben aus dem Staatsdienst drängen wollen, weil sie diese für erpressbar durch die Sowjetunion hielten. In den 1960er-Jahren hatte Kanadas Polizei dabei Listen mit Namen tausender mutmaßlicher Homosexueller angelegt. Sie brachte auch Maschinen zum Einsatz, mit denen die Reaktion der Pupillen von Verdächtigen auf homosexuelle Pornografie gemessen wurde, um die Verdächtigen so als schwul zu entlarven.

Homosexualität in Kanada wurde 1969 entkriminalisiert. Das Gesetz hatte der damalige Justizminister - und spätere Premierminister - Pierre Trudeau eingebracht. Er war der Vater des derzeitigen Regierungschefs. Justin Trudeau hat sich immer wieder für die Rechte von Homosexuellen eingesetzt.