Politik | Ausland 05.12.2011

Kairo: Polizei misshandelt US-Journalistin

© Bild: Reuters/GORAN TOMASEVIC

Knochenbrüche, sexuelle Übergriffe: Die Journalistin Mona al-Tahawy berichtet, dass sie von ägyptischen Polizisten verhaftet und misshandelt wurde.

Die ägyptisch-amerikanische Journalistin Mona al-Tahawy ist nach eigenen Angaben während der Proteste in Kairo von der Polizei geschlagen, festgenommen und sexuell misshandelt worden. Die bekannte Publizistin berichtete nach ihrer Freilassung am Freitag über den Kurzmitteilungsdienst Twitter und in Interviews mit verschiedenen TV-Sendern von ihren Erlebnissen im Gebäude des Innenministeriums.

Ihren Angaben zufolge wurde sie von Angehörigen der Ordnungspolizei festgenommen, als sie Mittwochnacht Straßenschlachten zwischen der Polizei und Demonstranten in der Nähe des Tahrir-Platzes fotografierte. Anschließend habe man ihr die Augen verbunden und sie begrapscht. "Ich konnte irgendwann nicht mehr mitzählen, wie viele Hände versuchten, in meine Hose zu gelangen", schrieb Tahawy. Während dieser Tortur habe sie sich damit getröstet, dass sie hinterher einen Artikel schreiben würde, über das, was ihr geschah.

Knochenbrüche

Kairoer Polizisten bei den gewaltsamen Protesten der vergangenen Tage. Sie gehen brutal gegen Demonstranten vor.
© Bild: Reuters/GORAN TOMASEVIC

Eine Röntgenaufnahme zeige, dass ihr linker Arm und ihre rechte Hand als Folge der Schläge gebrochen seien, schrieb sie weiter. Auf Bildern waren sie mit verbundenen Arme zu sehen. "Gott weiß, was passiert wäre, wenn ich keine doppelte Staatsbürgerschaft gehabt hätte." Ein Angehöriger der Militärpolizei habe sich später, nachdem er ihre Identität festgestellt habe, für das Verhalten der Polizei entschuldigt.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine Frau während der Demonstrationen gegen das in Ägypten seit dem erzwungenen Abtritt von Langezeit-Staatschef Hosni Mubarak übergangsweise herrschende Militär Opfer sexueller Übergriffe von Polizeibeamten wurde. Journalistinnen berichteten in den vergangenen Tagen zudem von sexueller Belästigung durch Zivilisten auf dem Tahrir-Platz.

"Auf Einsatz von Journalistinnen verzichten"

Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat deshalb vor dem Einsatz weiblicher Journalisten in Ägypten gewarnt. Eine französische Fernsehjournalistin sei am Donnerstag sexuell angegriffen worden, berichtete die Organisation am Freitag in Paris.

"Es ist mindestens das dritte Mal, dass eine Reporterin seit Beginn der ägyptischen Revolution sexuell attackiert wurde." Die Redaktionen sollten daher "im Moment" auf die Entsendung weiblicher Journalisten nach Ägypten verzichten.

Jugendliche rissen Reporterin Kleider vom Leib

Die Journalistin des Senders France 3 hatte berichtet, dass sie am Donnerstag von Zivilisten in Kairo geschlagen und sexuell attackiert worden sei. Sie sei mit ihrem Kameramann in der Nähe des Tahrir-Platzes, auf dem derzeit neue Massendemonstrationen gegen die Macht des Militärs stattfinden, zunächst von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen worden. Dann sei sie von einer Gruppe Jugendlicher und Erwachsener verprügelt worden, die ihr auch die Kleider vom Leib gerissen und sie so berührt hätten, dass dies einer Vergewaltigung gleichgekommen sei.

"Einige Menschen haben vergeblich versucht, mir zu helfen. Ich wurde regelrecht gelyncht, es dauerte etwa eine Dreiviertelstunde bis man mich befreit hat. Ich dachte, ich würde sterben", zitierte die Zeitung Le Figaro die France-3-Reporterin. Die Jugendlichen seien etwa 14, 15 Jahre alt gewesen.

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Erstellt am 05.12.2011