Politik | Ausland
07.05.2017

Juncker: "Englisch wird in Europa an Bedeutung verlieren"

Steht der EU ein Sprachenstreit ins Haus? Welche Amtssprache soll man verwenden, wenn die Briten nicht mehr dabei sind?

Der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ließ anlässlich einer Rede in Florenz aufhorchen. Zum einen, weil er nach wenigen Sätzen Englisch ins Französische wechselte und zum anderen damit, wie er sein Vorgehen begründete: "Ich zögere zwischen Englisch und Französisch, aber ich habe eine Entscheidung getroffen. Ich werde auf Französisch sprechen, weil Englisch langsam, aber sicher an Bedeutung in Europa verlieren wird." So berichtet Heise online.

Dass Englisch, global gesehen, die wichtigste Sprache bleibt, steht außer Frage. Aber in der Europäischen Union wären nach einem Auscheiden der Briten nur noch Malta und Irland englischsprachig. Zwar sprechen nur 13 Prozent der EU-Bürger Englisch als Muttersprache (inklusive Briten), aber da sie von 38 Prozent als Fremdsprache gesprochen wird, ist sie die meistgesprochene Sprache. Deutschland hat sich allerdings schon länger dafür stark gemacht, Deutsch, das von 32 Prozent gesprochen wird (18 % als Muttersprache, 14 % als Fremdsprache), zu stärken.

Denkbar wäre es, dass neben Deutsch andere Sprachen wie das Italienische, Spanische oder Polnische gestärkt werden, wenn EU-intern das Englische tatsächlich an Bedeutung verlieren sollte. Ohne das Englische, das von den meisten gesprochen oder verstanden wird, wäre eine übergreifende Verständigung weiterhin angewiesen auf teure Übersetzungen. Das von der EU geförderte Projekt einer automatischen Übersetzung von einer in alle Sprachen und umgekehrt ist noch ein Wunschtraum.