John Oliver: "Trump ist ein Muttermal, das größer wird."

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USA
03/01/2016

Entertainer zerpflückt den Mythos Donald Trump

Late-Night-Talker John Oliver holt zum Rundumschlag aus und landet Youtube-Hit.

von Jürgen Klatzer

Der Super Tuesday im US-amerikanischen Wahlkampf steht bevor und es könnte etwas eintreten, woran vor ein paar Monaten noch niemand geglaubt hatte: Der US-Milliardär Donald Trump, für seine markigen Sprüche bekannt, könnte zum republikanischen Kandidaten für das Amt des US-Präsidenten gekürt werden. Dem britischen Moderator der bekannten US-Late-Night-Show "Last Week Tonight" John Oliver bereitet das große Sorgen. Weshalb er vergangenen Sonntag zu einem Rundumschlag ausholte, um zu zeigen, wie Trump wirklich ticke.

#MakeDonaldDrumpfAgain

Der Entertainer wollte niemals in seiner Show über Trump sprechen. Doch weil der umstrittene Kandidat bereits in drei Bundesstaaten die US-Vorwahlen für sich entscheiden konnte und nun auch noch vom moderaten republikanischen Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, unterstützt wird, kann man ihn nicht mehr so einfach ignorieren. Man müsse sich der ernsten Lage bewusst werden, beginnt der britische Late-Night-Talker seine fast 22 Minuten lange Brandrede, die inzwischen mehr als fünf Millionen Mal auf YouTube angeschaut wurde und seit Sonntag unter dem Hashtag #MakeDonaldDrumpfAgain auf Twitter trendet.

"Trump ist das Muttermal der USA", sagt Oliver. "Ein Jahr lang war es ziemlich harmlos. Aber jetzt wird es immer größer und es ist nicht ratsam, es weiter zu ignorieren." Während sich viele Moderatoren und Politiker seit Monaten bemühen, Trump als unqualifizierten, rassistischen Populisten darzustellen, geht Olivers Appell wesentlich tiefer. Gewürzt mit einer Prise pädagogischem Furor erklärt der Entertainer, dass Trump nicht nur ein miserabler Kandidat sei, sondern auch noch unzuverlässig.

So fragt John Oliver Trump-Sympathisanten, warum sie den Milliardär unterstützen und liefert prompt passende Gegenargumente:

  • Wahlmotiv: "Er sagt wie es ist" - Oliver: "Tut er das? Die Website PolitiFact hat 77 Aussagen von Trump geprüft und 76 Prozent davon im unterschiedlichen Ausmaß als 'unwahr' bewertet."
  • Wahlmotiv: "Er ist ein starker Kerl" - Oliver: "Für einen starken Kerl hat er eine unglaublich dünne Haut. 1988 hatte ihn das Spy Magazine als einen 'kurzfingerigen, vulgären Menschen' bezeichnet. Seitdem erhält der Redakteur Graydon Carter Briefe mit Fotos von Trump, auf denen seine Finger zu sehen sind. Für gewöhnlich fügt Trump auch noch die Notiz 'Schau, nicht so kurz' an."
  • Wahlmotiv: "Sein wirtschaftlicher Erfolg" - Oliver: "Ja, er hat mehr Geld gemacht als die meisten von uns. Aber nicht nur, dass er Millionen von seinem Vater geerbt hat, er hat auch eine Menge davon in den Sand gesetzt."

Von den Drumpfs

Von seinem selbstfinanzierten Wahlkampf, über seinen Erfolg in der Wirtschaft, bis hin zu seiner Stärke, es zu sagen wie es nun mal ist: Trump verstrickt sich in Widersprüchen und Lügen, betont der Moderator. Der Republikaner sei mehr Marke als Mann, der Fakten und Tatsachen vernachlässigt und seine Unterstützer ohne zu zögern anlügt. Das würde bereits bei seinem "triumphale klingenden Namen" beginnen. Nur wenige Unterstützer des Republikaners wissen, dass Trumps deutsche Vorfahren Drumpf hießen.

Der Nachname Trumps wurde schon öfters von US-Medien aufgegriffen. So schrieb die Journalistin Gwenda Blair in ihrem Buch "The Trumps: Three Generations That Built An Empire", dass der Familienname während des Dreißigjährigen Krieges in Europa (1618 to 1648) geändert wurde. Andere Beobachter und Trump-Kenner gehen davon aus, dass Trumps Großvater, Friedrich Drumpf, seinen Namen kurz nachdem er 1885 in die USA ausgewandert ist "amerikanisiert" hat. Es entstand Frederick Trump und Jahrzehnte später sein Enkel Donald Trump.

Appell an alle US-Amerikaner

Die historische Entwicklung spielt in John Olivers Rede nur eine geringe Rolle. Vielmehr möchte der Late-Night-Talker den "magischen Namen" von der Person entkoppeln, damit eine Präsidentschaft in weite Ferne rückt. Denn Trump würde Macht und Stärke symbolisieren und sei ein Eckpfeiler der Marke des Immobilien-Tycoon. Für viele Unterstützer des republikanischen Präsidentschaftskandidaten sei er der Inbegriff des US-amerikanischen Traums. Aber: "Wenn Sie darüber nachdenken, Donald Trump zu wählen, den charismatischen Typen, der verspricht, die USA wieder groß zu machen, dann nehmen Sie sich einen Moment und stellen sich vor, wie Sie sich fühlen würden, wenn Sie einen Mann namens Donald Drumpf treffen, einen Serienlügner, der zahlreiche Unternehmen gegen die Wand gefahren hat und vom Ku-Klux-Führer David Duke unterstützt wird, und gar nicht weiß, ob er das gut finden soll oder nicht. Denken Sie noch immer, dass er einen guten Präsident abgeben würde, oder ist der Zauber nun dahin?"

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