Politik | Ausland
04.12.2017

Jemen: Ex-Präsident Saleh getötet

Ali Abdullah Salehs Partei bestätigte am späten Nachmittag den Tod des Ex-Präsidenten, der im Jahr 2012 nach 30 Jahren im Zuge des Arabischen Frühlings gestürzt und aus dem Amt gejagt wurde.

Bei schweren Kämpfen im Jemen haben die schiitischen Houthi-Rebellen nach eigenen Angaben Geländegewinne gegen ihre früheren Verbündeten erzielt. Ein Houthi-Sprecher erklärte am Montag, seine Truppen hätten im Süden der Hauptstadt Sanaa Positionen von Anhängern des Ex-Präsidenten Ali Abdullah Saleh eingenommen.

Saleh und seine Anhänger geraten damit immer weiter unter Druck. Am Vormittag sollen Huthis auch Salehs Haus gesprengt haben. Wo sich der Ex-Präsident aufhielt, war zunächst nicht bekannt. Berichterstatter vor Ort meldeten, dass Saleh auf der Flucht getötet worden sei. Auf Twitter kursierten Bilder und Videos, die den ehemaligen Langzeitpräsidenten vermeintlich mit Kopfschusswunden zeigen. Salehs Partei bestätigte am späten Nachmittag den Tod des Ex-Präsidenten, der im Jahr 2012 nach 30 Jahren im Zuge des Arabischen Frühlings gestürzt und aus dem Amt gejagt worden war.

Jemenitische Medien und Aktivisten berichteten von Straßenkämpfen. Die von den Houthis kontrollierte Nachrichtenagentur Saba und Augenzeugen meldeten, Jets der von Saudi-Arabien geführten Koalition hätten zahlreiche Luftangriffe gegen die Rebellen geflogen. Wie Bewohner der Stadt und eine Quelle am internationalen Flughafen von Sanaa berichteten, wurden bei den Angriffen offenbar Ziele in der Nähe des Airports und des Innenministeriums attackiert.

Immer heftigere Gefechte

Bewohner berichteten überdies, dass sich die Kämpfe zwischen den früher verbündeten Anhängern von Ex-Präsident Saleh und den schiitischen Houthi-Rebellen auf Gebiete außerhalb von Sanaa ausgeweitet hätten. Stammesangehörige in Salehs Heimatstadt Sanhan südlich der Hauptstadt berichteten von heftigen Gefechten in der Nacht auf Montag.

Saleh und Houthi-Chef Abdul Malik al-Houthi waren jahrzehntelang verfeindet gewesen, bis sie sich nach Salehs Abtritt Ende 2011 gegen den sunnitischen Präsidenten Abd Rabbu Mansour Hadi verbündeten. Zuletzt hatte das Bündnis jedoch Risse bekommen, was Ängste vor einer neuen Front in dem Konflikt schürte. Bis Sonntag wurden allein bei Kämpfen in Sanaa rund 60 Menschen getötet. Am Samstag erklärte sich Saleh zu Gesprächen mit Saudi-Arabien bereit, welches Hadi unterstützt. Beobachter sehen darin eine mögliche Wende in dem Bürgerkrieg. Die Houthi-Rebellen reagierten freilich erbost auf Salehs Schwenk und sprachen von Hochverrat.

Das von Saudi-Arabien geführte Bündnis unterstützt im Jemen die Regierungstruppen Hadis. Jets der Koalition fliegen seit Frühjahr 2015 Angriffe gegen die Houthis und ihre Verbündeten. Seitdem wurden mehr als 8.750 Menschen getötet.

Der nach Saudi-Arabien geflohene Hadi befahl seinen Truppen, Sanaa mithilfe der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition zurückzuerobern. Vize-Präsident Ali Mohsen al-Ahmar, der sich in Marib östlich von Sanaa aufhalte, habe die Anordnung erhalten, den Marsch der Truppen auf die von den Houthis kontrollierte Hauptstadt zu veranlassen, verlautete es am Montag aus dem Umfeld Hadis.

Die saudisch geführte Militärallianz ließ im TV-Sender "Al-Ekhbariya" wissen, Zivilisten sollten sich von "mehr als 500 Meter" von Rebellenzonen fernhalten. Die Ankündigung ließ eine weitere Intensivierung von Luftschlägen erwarten.

Zugleich bot Hadi jenen, die ihre Kollaboration mit den vom Iran unterstützten Houthis aufgeben und sich zurückziehen, eine Generalamnestie an, wie Ministerpräsident Ahmed Obeid bin Daghr (Dagher) am Montag in der von der Regierung kontrollierten Hafenstadt Aden bekannt gab. Mit der Ankündigung sollen die Houthis ganz offensichtlich weiter geschwächt werden.

Humanitäre Krise

Angesichts der neuerlichen Eskalation der Gewalt forderte UNO-Generalsekretär Antonio Guterres ein Ende aller Luft- und Bodenangriffe. Die schweren Kämpfe verhinderten die Versorgung von Verletzten und Kranken, teilte Guterres am Sonntagabend in New York über seinen Sprecher mit. Außerdem fesselten sie die Bevölkerung ohne Lebensmittel und Treibstoff an ihr Zuhause. Ohne die Wiederaufnahme lebenswichtiger Importe drohe Millionen Menschen im Jemen Hunger, Krankheit und Tod, warnte Guterres.

Im Jemen herrscht wegen des jahrelangen Konflikts und aufgrund einer Dürre eine schwere humanitäre Krise. Verschärft wird diese durch eine Blockade, die das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis Anfang November nach dem Abschuss einer Rakete auf den Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad verhängt hatte. Die Rakete war von Saudi-Arabien abgefangen und zerstört worden. Mehr als acht Millionen Menschen könnten laut UNO ohne direkte Hilfe verhungern. Insgesamt leiden 17 Millionen Menschen im Jemen unter einer unsicheren Ernährungslage.