Janukowitsch gesteht Fehler ein

Zwei Personen stehen inmitten von Barrikaden und ukrainischen Flaggen.
Gleichzeitig wirft der Präsident der Opposition vom Krankenbett aus vor, die Lage "immer wieder anheizen".

Präsident Viktor Janukowitsch hat erstmals "Fehler" in dem wochenlangen Machtkampf mit der Opposition eingestanden. In einer Erklärung versprach der erkrankte Janukowitsch am Donnerstag, künftig "mehr Verständnis" für die Forderungen der Demonstranten zu zeigen. Behörden machten immer "Fehler", fügte er hinzu.

Ein Porträt von Viktor Janukowytsch vor einem blauen Hintergrund.
Ukrainian President Viktor Yanukovich speaks during a news conference in Kiev in this March 1, 2013 file photo. Yanukovich went on sick leave on January 30, 2014 with an acute respiratory ailment, leaving a political vacuum in a country destabilised by anti-government protests. REUTERS/Gleb Garanich/Files (UKRAINE - Tags: POLITICS HEADSHOT PROFILE HEALTH)
In der Erklärung, die das Büro des Präsidenten im Internet veröffentlichte, warf Janukowitsch der Opposition aber gleichzeitig vor, die Lage wegen "politischer Ambitionen" einiger ihrer Anführer immer weiter anzuheizen. Janukowitsch befindet sich wegen hohen Fiebers und Atembeschwerden im Krankenhaus. Oppositionelle sprechen bereits von einer "politischen Krankheit" - er wolle sich dadurch vor wichtigen Entscheidungen drücken.

Bei minus 19 Grad Kälte harren die Regierungsgegner in Kiew am Unabhängigkeitsplatz weiterhin aus, um ihr Land näher an Europa zu bringen. Die Opposition in der Ukraine will sich dem Parlamentsbeschluss vom Mittwochabend nicht beugen. Stattdessen wollen sie auch am Donnerstag ihre Proteste fortsetzen, kündigte Vitali Klitschko an. Das Parlament hatte ein Amnestiegesetz für inhaftierte Oppositionsanhänger unter der Bedingung angenommen, dass alle besetzten Verwaltungsgebäude geräumt werden.

Die Opposition fordert dagegen eine bedingungslose Amnestie. Der Beschluss der Parlamentsmehrheit vom Mittwochabend wird nach den Worten Klitschkos nicht zur Beruhigung in der Bevölkerung beitragen. "Die Opposition bleibt auf ihrem Posten", kündigte der frühere Boxweltmeister an. Bei den Protesten gegen die russlandfreundliche Politik von Präsident Viktor Janukowitsch waren seit Jahresbeginn mehr als 100 Menschen festgenommen worden.

Streifzug durch Kiew:

Ein Korb mit Blumen, einem Foto und einer Ikone steht auf einem Platz.

Eine Person mit Sturmhaube blickt aufmerksam zur Seite.

Eine Tafel wirbt für eine „Dive Bar“ mit dem Slogan „No bullshit place. Being yourself allowed.“.

Graffiti an einer Ziegelmauer zeigt die Worte „РЕВ АЮЦIЯ! 2014“.

Ein Feuerwehrmann mit Helm und Maske steht im Rauch.

Ein Wegweiser in Kiew zeigt verschiedene Sehenswürdigkeiten wie das Dynamo-Stadion und das Puppentheater an.

Eine Gruppe von Personen mit Helmen und Schutzmasken steht in einem dunklen Raum.

Eine Schlange von Personen in Militärkleidung steht in einem Flur.

Eine Menschenmenge steht nachts vor einem großen Feuer.

Ein Mann mit Schutzhelm und Gasmaske steht vor einem ausgebrannten Bus in einer zerstörten Stadt.

Ein Mann mit schmutzigem Gesicht, möglicherweise ein Minenarbeiter oder Bauarbeiter.

Eine Frau trägt zwei große Flaschen mit einer gelblichen Flüssigkeit auf einer belebten Straße.

Eine Person hält eine Gasmaske und einen mit Klebeband umwickelten Gegenstand.

Eine Menschenmenge steht nachts vor einem großen Feuer.

Ein Mann mit langem Bart steht zwischen einer Ikone und einem Plakat mit Hammer und Sichel.

Eine Reihe von Polizisten mit Schilden steht vor einer Barrikade auf einer verschneiten Straße.

Eine vereiste Skulptur steht vor einer Lagerhalle, während eine Person im Hintergrund telefoniert.

Eine Gruppe von Menschen steht um ein Lagerfeuer in einer städtischen Umgebung.

Ein Mann mit einem Helm, auf dem „ZEKA HA!“ steht.

Drei Personen sitzen an einem Lagerfeuer und essen inmitten von Barrikaden und Graffiti.

Ein Mann in Militärkleidung geht durch eine verschneite, zerstörte Landschaft.

Die Oppositionsführer kündigten an, zumindest der Unabhängigkeitsplatz und das Gewerkschaftshaus in Kiew müssten weiter besetzt bleiben. Die Orte gelten als wichtige Schaltzentrale der Demonstranten. Dagegen zogen am Mittwoch zahlreiche Regierungsgegner aus dem zuvor besetzten Landwirtschaftsministerium im Stadtzentrum ab.

Sanktionen gefordert

Klitschko forderte in einem Gastbeitrag für die Bild-Zeitung die EU auf, ein Einreiseverbot gegen Präsident Viktor Janukowitsch zu verhängen, bis dieser die Aufhebung des umstrittenen Gesetzes zur Versammlungsfreiheit unterzeichnet habe. Am Dienstag hatte das Parlament in Kiew als Zugeständnis an die Opposition die umstrittenen Gesetze annulliert, mit denen vor zwei Wochen die Versammlungsfreiheit massiv eingeschränkt worden war.

Der Abstimmung über das Amnestiegsetz in der Werchowna Rada, dem Parlament der Ukraine, am Mittwochabend blieben viele Abgeordnete aus den Reihen der Opposition fern. Zuvor war eine Kompromisslösung zur Beilegung des seit Wochen andauernden Machtkampfes gescheitert. Die Opposition fordert seit Wochen mit Massenkundgebungen in Kiew und anderen Städten der Ukraine ein Abdanken Janukowitschs von der Macht sowie Neuwahlen.

Putin sperrt Gelder

Nach dem Rücktritt der Janukowitsch untergeordneten Regierung vom Dienstag ließ Russlands Präsident Putin überraschend weitere Milliardenhilfen für die Ukraine sperren. Erst müsse die Entwicklung des Machtkampfs in dem krisengeschüttelten Nachbarland klar sein, sagte der russische Regierungschef Dmitri Medwedew bei einem Treffen mit Putin am Mittwoch. Die ehemalige Sowjetrepublik Ukraine steht nach Einschätzung von Experten vor dem Bankrott.

Die mitteleuropäischen Staaten Tschechien, Polen, die Slowakei und Ungarn verurteilten am Mittwoch die Gewalt in der Ukraine. "Wir rufen alle Seiten dazu auf, die Spirale der Gewalt sofort zu beenden", hieß es in einer Erklärung der Ministerpräsidenten der Visegrad-Gruppe (V4).

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Krise in der Ukraine hat die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, die Europäische Union ebenfalls zum Handeln aufgefordert. Die EU müsse nun "ernsthaft entscheiden", ob Sanktionen ein Weg seien, sagte Harms am Donnerstag im "Morgenmagazin" der ARD. Das Misstrauen gegenüber Janukowitsch sei immens und berechtigt, so Harms. Die Gewalt der Polizei gegen die friedliche Demonstranten habe die Situation eskalieren lassen und zur Ausweitung der Proteste auf das ganze Land beigetragen.

Faymann für "koordiniertes Vorgehen"

Bundeskanzler Werner Faymann sagte, es müsse ein gemeinsames Vorgehen geben. Ukrainische Oppositionelle in Wien hatten zuletzt gefordert, angeblich in Wien wohnhaften Familienmitgliedern des zurückgetretenen Regierungschefs Mykola Azarow den Aufenthaltstitel in Österreich zu entziehen. Faymann stellte sich nicht grundsätzlich gegen Sanktionen, zu diesen könne es kommen, wenn es die EU für "notwendig erachte". Er halte es für "bedenklich", würden Politiker solche Sanktionen freihändig entscheiden, vielmehr müsse es ein koordiniertes rechtsstaatliches Vorgehen aller Mitgliedsstaaten geben.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und Polens Regierungschef Donald Tusk sprachen sich während eines Treffens in Brüssel für die Fortsetzung des Dialogs zwischen der Regierung und der Opposition aus. "Wir werden alles tun, um den Dialog aufrechtzuerhalten, Gewalt zu vermeiden und alle unsere Instrumente einzusetzen, um zu friedlichen und konstruktiven Lösungen zu kommen", betonte Schulz. Tusk sagte, der Dialog zwischen Regierung und Opposition müsse "auf einem hohen Niveau aufrechterhalten und intensiviert" werden. "Wir sollten alles tun, dass sich die Ukraine in diese Richtung bewegt."

Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier warnte Janukowitsch indes, im Machtkampf mit der Opposition weiter auf Zeit zu spielen. "Macht jetzt endlich ernst und tut, was Ihr der Opposition versprochen habt!", so Steinmeier. Bisher gebe es eine "Lücke zwischen dem, was zwischen den Verhandlungsparteien der Opposition und dem Präsidenten besprochen wird, und dem, was dann anschließend umgesetzt wird".

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