Auf Matteo Renzi ruhen die Hoffnungen der Linken - die Basis aber hat ihre Zweifel.

© APA/ETTORE FERRARI

Italien
12/08/2013

Der rechte Mann bei den Linken

Der wirtschaftsliberale Matteo Renzi (38) gewann die Wahl zum PD-Chef haushoch.

Er ist jung, dynamisch, ehrgeizig und nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Matteo Renzi mischt die italienische Politszene auf.

Der 38-jährige Bürgermeister von Florenz gewann am Sonntag die Primärwahlen der Demokratischen Partei, Partito Democratico (PD), mit rund 70 Prozent Zustimmung im Triumph. Seine Herausforderer, der Triester Parteifunktionär Gianni Cuperlo und der lombardische Abgeordnete Giuseppe Civati, hatten keine Chance. „Ich hoffe, die Stimmen all jener Personen zu erhalten, die Italien revolutionieren wollen“, hatte Renzi vor dem Votum, an dem jeder wahlberechtigte Italiener teilnehmen konnte, gesagt. Drei Millionen nahmen teil – und Renzi ist neuer PD-Chef und Spitzenkandidat bei den nächsten Wahlen.

In Brüssel lauter sein

Renzi hatte versprochen, die Kosten für Politiker um eine Milliarde Euro zu kürzen. Außerdem kündigte er einen „gigantischen“ Arbeitsmarkt-Plan an. Ein weiterer Fokus liegt auf Europa. Dabei soll Italien künftig in Brüssel stärker seine Stimme erheben. Mit diesen Prioritäten will er Premier Enrico Letta unter Druck setzen. „Meine Kraft erlaubt es mir, dass ich der Regierung drei Bedingungen stelle. Wenn sie akzeptiert, gut. Wenn nicht, dann sagen wir ,Addio‘.“

Zukunft als Premier

In dem Fall würde er versuchen, die Regierungskoalition mit dem Mitte-rechts-Lager von Vizepremier Angelino Alfano zu sprengen. Renzi hatte nie ein Geheimnis aus seinen ambitionierten Plänen, in Zukunft auch das Premieramt anzustreben, gemacht. Seit seiner Forderung, die alte Politikerkaste samt deren Privilegien zu „verschrotten“, trägt er den Beinamen „rottamatore“ – Verschrotter.

Nicht allen an der linken Basis gefallen Renzis christdemokratische Wurzeln, die stark zu spüren sind. Seine Ideen stufen Politologen als „nicht mehr links“ ein. Der Florentiner ist am rechten Rand der Demokratischen Partei zu verorten. Zu seinen Anhängern zählen vor allem aufstrebende Junge in der Partei, die mit linken Ideologien wenig anfangen können. Renzis wirtschaftsliberaler Kurs sorgt vor allem unter Gewerkschaftern für Unmut. Dadurch genießt er aber viele Sympathien im Berlusconi-Lager. Der undurchsichtige ehemalige Formel-1-Manager und Luxuslebemann Flavio Briatore etwa outete sich als Fan des Florentiners. Renzi ist Katholik, mit einer Gymnasiallehrerin verheiratet und Vater dreier Kinder.

Auf Unverständnis stieß Renzi, als er im Jahr 2010 einer Einladung Berlusconis folgte und in dessen Luxusresidenz in Arcore zu Mittag aß. „Renzi verteidigt unsere Ideen unter den PD-Fahnen“, lobte Berlusconi später. Die fehlenden Berührungsängste des mittlerweile aus dem Senat ausgeschlossenen TV-Tycoons waren seit jeher ein zentraler Kritikpunkt seiner Gegner.

Der „Anti-Letta“

„Berlusconi und Renzi spielen mit derselben Karte“, beobachtet Philosoph Sergio Benvenuto. Denn Renzi werde versuchen, mit Premier Enrico Letta (aus der eigenen Partei) dasselbe Spiel zu treiben, wie es Berlusconi mit Kurzzeit-Premier Mario Monti machte. „Er wird warten, bis die Regierung von Letta immer unpopulärer wird, sodass er sich früher oder später bei den Wahlen als der perfekte Anti-Letta präsentieren kann“, analysiert Benvenuto gegenüber dem KURIER.

Renzi hat kapiert, dass es nicht für den Sieg reicht, wenn man von jenem Drittel Italiener gewählt wird, die seit 70 Jahren links wählen. Man muss auch die überzeugen, die die Linken hassen“, so Benvenuto.

„Ich bin für alle Stimmen offen“, betonte Renzi stets. Mit seinen Wahlplakaten versuchte er eine breite Masse zu erreichen. „L’Italia cambia verso“, „Italien ändert die Richtung“ – versprach Renzi auf seinen Wahlplakaten. „Angst vor ,extracomunitari‘ (Anm.: Bezeichnung für Nicht-EU-Bürger in Italien), Angst vor Rezession, Angst vor Veränderung? Nur Mut, ab heute haben wir Vertrauen, krempeln die Ärmel hoch und nehmen die Zukunft in die Hand!“, lauteten die Slogans. Auf Twitter hat der Bürgermeister 690.000 Follower. Auf Facebook postete er Neues von seinen Wahlauftritten. Auch ein Bild, das er sofort nach Nelson Mandelas Tod online stellte und das ihn mit dem kranken Friedensnobelpreisträger zeigt. Mittlerweile hat er das Foto nach heftigen Opportunismus-Vorwürfen von seiner Seite gelöscht.

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