epa03700395 The leader of the anti-establishment Five Star Movement (M5S) Beppe Grillo, speak in front of supporters during a rally in Corato, Bari, Italy, 14 May 2013. EPA/LUCA TURI

© APA/LUCA TURI

Italien
06/11/2013

Der größte Verlierer der Lokalwahlen heißt Grillo

Links-Ruck: In allen größeren Provinzhauptstädten des Landes setzte sich die frisch gestärkte linke Demokratische Partei als Sieger durch.

Ein kräftiger Linksruck geht derzeit durch Italien: In allen 16 Provinzhauptstädten von Brescia, Ancona, Imperia bis Siena verbuchte die Demokratische Partei (PD) bei den Kommunalwahlen einen klaren Sieg. In Rom setzte sich Ignazio Marino mit 64 Prozent und somit einem haushohen Vorsprung gegen den scheidenden Bürgermeister Gianni Alemanno durch. „Eine neue Ära beginnt in Rom – die Hauptstadt ist nach fünf Jahren wieder in den Händen der Linken“, titelte La Repubblica. Der Wahlsieg des früheren Chirurgen Marino ist eine klare Abfuhr an die von Vetternwirtschaft und Skandalen geprägte rechte Politik des Berlusconi-Mannes Alemanno.

Feierstimmung

Im linken Lager herrscht Feierstimmung. „Das Wahlergebnis stärkt die Regierung und fordert uns auf, noch härter zu arbeiten, um die Resultate zu erreichen, die sich die Bürger von uns erwarten“, betonte Premier Enrico Letta.

Die Stimmenthaltung bei den Stichwahlen war noch höher als im ersten Wahlgang vor zwei Wochen. Schon damals stellten die „Nicht-Wähler“ die stärkste „Partei“. Nur 48,5 Prozent aller Wahlberechtigten gaben diesmal in den 67 Gemeinden ihre Stimmen ab. In Rom ging nicht einmal jeder zweite zur Wahl. Politikverdrossenheit und Enttäuschung über herkömmliche Parteien sind groß wie nie zuvor.

Nicht nur die Rechten erhielten in Städten und Gemeinden einen Dämpfer. Ex-Premier Silvio Berlusconi zog sich nach der Wahlschlappe in seine Villa Arcore zurück und verweigerte bisher jeden Kommentar.

Schwerer Dämpfer

Klarer Verlierer ist vor allem auch die Fünf Sterne-Bewegung (M5S) von Komiker Beppe Grillo. Nur drei Monate nach dem überraschenden Erfolg bei den Parlamentswahlen muss die Protestbewegung eine drastische Wahlschlappe einstecken. Einzig in der Kleinstadt Pomezia, südlich von Rom, und in der sardischen Gemeinde Assemini werden Fünf Sterne-Vertreter den Bürgermeister stellen.

Statt ausländerfeindlichen Transparenten wurden gestern PD-Fahnen vor dem Rathaus in Treviso geschwenkt. Zwanzig Jahre lang war die rechte Hochburg Norditaliens fest in der Hand von Lega Nord-Bürgermeister Giancarlo Gentilini. „Nicht nur meine Ära ist zu Ende, auch jene der PdL (Berlusconis Partei, Anm.) und der Lega Nord ist vorbei“, kommentierte Gentilini, von dessen rassistischen Slogans die Bewohner offenbar endgültig genug haben.

Trotz der Skandale um die traditionell von Linken kontrollierte Großbank Monte dei Paschi konnte sich in Siena ein PD-Kandidat gegen seinen rechten Herausforderer durchsetzen.

Selbst auf Sizilien dreht der Wind nach links. In Catania schaffte PD-Mann Enzo Bianco auf Anhieb den Sprung ins Bürgermeisteramt. In Siracusa und Messina haben die Linken bei den Stichwahlen die Nase vorne.

Auch auf der süditalienischen Insel konnte Grillos Bewegung nicht mehr punkten. Als einziger Trost bleibt die 70.000 Einwohner-Stadt Ragusa, wo es ein „Grillino“ bis zur Stichwahl schaffte. Die Politik des Total-Boykotts und das autoritäre Auftreten von „Leader“ Beppe Grillo lehnen viele Italiener mittlerweile ab.

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