Shimon Peres

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1923-2016
09/28/2016

Israels ehemaliger Präsident Shimon Peres ist tot

Der ehemalige israelische Präsident und Friedensnobelpreisträger starb mit 93 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls.

Israels Ex-Präsident Shimon Peres ist tot. Wie der israelische Rundfunk am frühen Mittwochmorgen berichtete, starb der 93-Jährige zwei Wochen nach einem schweren Schlaganfall in einem Krankenhaus in der Nähe von Tel Aviv. Seine Familie war in den letzten Stunden bei ihm.

Nach dem Schlaganfall war Peres an ein Beatmungsgerät angeschlossen und in Narkose versetzt worden. Sein Büro hatte seinen Zustand am Montag noch als "stabil" bezeichnet. Zu Jahresbeginn hatte der Friedensnobelpreisträger bereits einen Herzinfarkt erlitten. Anfang September war ihm ein Herzschrittmacher eingesetzt worden.

Peres war zweimal Israels Regierungschef und mehrmals Minister. Den Friedensnobelpreis hatte er 1994 als Außenminister gemeinsam mit dem damaligen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin und PLO-Chef Yassir Arafat erhalten. Von 2007 bis 2014 war er Staatspräsident. Peres hatte sich trotz seines hohen Alters bis zuletzt unvermindert für eine Verständigung zwischen Israelis und Arabern eingesetzt, unter anderem mit seinem Peres Center for Peace in Tel Aviv. Er hatte nie die Hoffnung auf eine friedliche Lösung im Nahost-Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern aufgegeben.

Wohl durch sein beharrliches Streben nach Frieden war er zudem einer der wenigen israelischen Politiker, der im Ausland beliebt war. Peres äußerte sich auch als Staatspräsident immer wieder sehr politisch - ungewöhnlich für dieses Amt.

Peres im Porträt:

File photo of Israel's Prime Minister Peres sittin

File photo of Israeli President Shimon Peres readi

FILE - In this Aug. 22, 1984, file photo, Prime Mi…

Shimon Peres, Ariel Sharon

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File photo of Israeli President Peres putting on k

Yasser Arafat, Shimon Peres

File photo of Israeli Deputy PM and former Labour

File photo of Shimon Peres, Yitzhak Rabin and Yitz

File photo of Israeli Foreign Minister Shimon Pere

File photo Israeli President Peres attending a joi

Heinz Fischer, Shimon Peres

File photo of Israel's President Peres attending a

File photo of Israel's President Shimon Peres spea

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File photo of Israel's President Shimon Peres look

Shimon Peres

File photo of Pope Francis greeting Israeli Presid

Shimon Peres, Mahmoud Abbas

Shimon Peres

FILE - In this Sept. 12, 1986, file photo, Israeli…

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"Gute Freunde" in Österreich

Zu Österreich hatte Peres eine besondere Beziehung. Das zeigte sich unter anderem daran, dass er 2014 einen seiner letzten Staatsbesuche kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Amt in Österreich absolvierte. In einem Interview erklärte der damals bereits 91-jährige Peres diese Entscheidung damit, dass er "gute Freunde in Österreich" habe.

Sein Sarg soll Fernsehberichten zufolge am Donnerstag im Parlament aufgebahrt werden. Am Freitag werde mit dem Begräbnis gerechnet, berichtete das israelische Fernsehen am Mittwoch weiter. Dies müsse aber ein zuständiger Ausschuss noch offiziell beschließen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und seine Ehefrau Sara haben mit tiefer Trauer auf den Tod von Peres reagiert. Peres sei vom ganzen Volk geliebt worden, hieß es am Mittwoch in der Mitteilung von Netanyahus Büro. Die Regierung werde sich zu einer Trauersitzung versammeln.

Der israelische PräsidentReuven Rivlinhat seinen verstorbenen Amtsvorgänger als prägenden Visionär für den Staat Israel bezeichnet. "Es gibt kein Kapitel in der Geschichte des Staates Israel, in dem Shimon keine Rolle gespielt oder kein Stück geschrieben hat", sagte Rivlin während eines Staatsbesuches in der Ukraine am Mittwoch. "Als Einzelner hat er eine ganze Nation auf den Flügeln der Vorstellungskraft und seiner Vision getragen." Er habe den Menschen Hoffnung verliehen. "Der Geist der Hoffnung und des Friedens war sein Weg und Wunsch."

Internationale Reaktionen

US-Präsident Barack Obama nannte den Verstorbenen einen Freund, der seinen Traum vom Frieden niemals aufgegeben habe. "Es gibt wenige Menschen auf der Welt, die den Lauf der menschlichen Geschichte verändern", erklärte Obama in Washington. "Mein Freund Shimon war einer dieser Menschen."

In Berlin würdigte der deutsche BundespräsidentJoachim Gauckneben dem Ringen des Verstorbenen um Frieden zwischen Israel und den Palästinensern vor allem seine Bereitschaft zur Versöhnung. "Trotz der Gräueltaten, die Deutsche an seiner Familie und seinem Volk während des Holocausts verübten, reichte Shimon Peres uns die Hand. Für diese Haltung sind wir ihm von Herzen dankbar." Peres habe sein Leben in den "Dienst von Frieden und Versöhnung" gestellt, heißt es im Kondolenzschreiben Gaucks.

Frankreichs Präsident Francois Hollande hat den früheren israelischen Präsidenten Shimon Peres als "einen der glühendsten Verteidiger" des Friedens gewürdigt. Peres habe in der Schaffung eines Palästinenserstaats die einzige Garantie für eine sichere Zukunft Israels gesehen, hieß es in einer Mitteilung des Élysée Palastes.

Russlands Präsident Wladimir Putinhat Peres als bemerkenswerten Menschen gewürdigt. "Jedes Mal begeisterte mich sein Mut und Patriotismus, seine Weisheit und Voraussicht - und die Fähigkeit, in das Wesen der kompliziertesten Fragen einzudringen", schrieb Putin in einem am Mittwoch in Moskau veröffentlichten Telegramm.

Auch Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) hat sich tief betroffen von der Nachricht des Todes von Shimon Peres gezeigt. Die Nachricht erfülle ihn "mit tiefer Trauer", teilte Kurz am Mittwoch mit. Der Tod des ehemaligen israelischen Außenministers, Präsidenten und Friedensnobelpreisträgers sei ein "großer Verlust für Israel und für die ganze Welt".

Die Präsidentschaftskandidaten Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer (FPÖ) haben Peres am Mittwoch als großen Staatsmann gewürdigt. "Er hat Großes für sein Land und die internationale Staatengemeinschaft geleistet (...) Er war ein unerschütterlicher Optimist und hat stets an den Frieden in der Region geglaubt. Die Welt verliert einen herausragenden Politiker", erklärte Van der Bellen. Auch Hofer, mit dessen Partei die israelische Regierung keine offiziellen Kontakte unterhält, würdigte Peres als "eine Persönlichkeit, die sich vom Hardliner zum Friedensstifter gewandelt hat". Er sei "ein großer Staatsmann und Freund Österreichs" gewesen, "sein Lebensinhalt war der Dienst an den Menschen". Der frühere Präsident und Friedensnobelpreisträger Peres ist in der Nacht auf Mittwoch an den Folgen eines Schlaganfalls verstorben.

Begräbnis möglicherweise am Freitag

Zum Begräbnis werden führende Persönlichkeiten aus aller Welt erwartet. Aus Deutschland komme Bundespräsident Gauck, teilte das israelische Außenministerium am Mittwoch mit. US-Präsident Obama und sein Außenminister John Kerry wollten kommen.

Außerdem sollten unter anderem Papst Franziskus, Hillary und Bill Clinton, der französische Präsident Francois Hollande, der kanadische Präsident Justin Trudeau, der britische Kronprinz Charles und die niederländische Königinmutter Beatrix teilnehmen. Wer Österreich vertritt, war am Mittwoch in der Früh noch nicht bekannt. Mit dem Begräbnis wird am Freitag gerechnet

Vorbereitungen für die Beisetzung haben begonnen

Nach einer Trauersitzung der israelischen Regierung haben am Mittwochvormittag die Vorbereitungen für das Begräbnis des früheren israelischen Staatspräsidenten begonnen. In Jerusalem kam der Ausschuss für Zeremonien und Symbole zusammen, um die Details des Staatsbegräbnisses zu klären. Peres soll am Freitag um 11.00 Uhr (10.00 Uhr MESZ) auf dem Herzl-Berg in Jerusalem beigesetzt werden.

Erwartet werden zahlreich Staatsgäste. Neben US-Präsident Barack Obama haben bereits der deutsche Bundespräsident Gauck, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, Königinmutter Beatrix von Holland, der britische Thronfolger Prinz Charles sowie Bill und Hillary Clinton ihr Kommen zugesagt. Papst Franziskus wird entgegen ersten Informationen nun doch nicht teilnehmen. Österreich wird von Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) in ihrer Funktion als Vorsitzende des Präsidentschafts-Kollegiums sowie von Alt-Bundespräsident Heinz Fischer vertreten.

Kommt Putin?

Unklar ist laut Medienberichten noch, ob der russische Präsident Putin kommt oder sich vertreten lässt. Aus der arabischen Welt wird Jordaniens König Abdullah II. erwartet, möglicherweise auch Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Möglicherweise wird auch der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas dem verstorbenen Peres die letzte Ehre erweisen.

Am Donnerstag wird Peres Sarg vor der Knesset, dem israelischen Parlament, aufgebahrt. Am Freitag wird dann das Begräbnis auf dem Herzl-Berg stattfinden, wo zahlreiche große Persönlichkeiten Israels begraben liegen, darunter Staatspräsidenten und Regierungschefs.

Begleitet wird das Begräbnis von umfangreichen Sicherheits- und Logistikmaßnahmen. So wird es für die Privatjets der zahlreichen erwarteten Ehrengäste auf dem Ben Gurion Flughafen einen eigenen Parkbereich geben. Zudem soll die Autobahn zwischen Tel Aviv und Jerusalem gesperrt werden, um den Delegationen eine problemlose Zufahrt zu ermöglichen.

Peres und Österreich - Krisen und Freundschaften

Die Beziehungen des verstorbenen früheren israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres zu Österreich kann man als eng, aber auch als durchaus durchwachsen bezeichnen. Immer wieder im Laufe der langen Politkarriere des 1923 in Polen geborenen Friedensnobelpreisträgers kam es zu Krisen und Spannungen im bilateralen Verhältnis.

Das begann schon in den 1970er-Jahren mit dem Verhältnis zu Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ), dessen Nahostpolitik in Israel nicht immer auf Zustimmung stieß. Peres bezeichnete in einem Krone-Interview 2014 Kreisky als seinen "Freund", nannte das Verhältnis aber auch "kompliziert": "Unsere Ansichten waren unterschiedlich, aber ich schätzte seine Motive. Einmal fragte ich ihn: 'Bruno, warum sagst du so oft etwas gegen uns?' Und er antwortete: 'Nur so kann ich euch helfen.'" Peres, ebenfalls Sozialdemokrat, war während der Kreisky-Jahre (1970-1983) Transportminister, Verteidigungsminister und 1977 auch kurzzeitig Übergangspremier Israels gewesen. Trotz aller Animositäten hatte er aber auch später wiederholt Kreiskys Beitrag zur Auswanderung von Juden aus der Sowjetunion gewürdigt.

Eine besondere Rolle spielte der israelische Politiker dann in der schwierigen Zeit der Waldheim-Affäre. Zur Zeit des Ausbruchs der Affäre um die Wehrmachtsvergangenheit des ehemaligen UNO-Generalsekretärs und ÖVP-Präsidentschaftskandidaten Kurt Waldheim im Frühjahr 1986 war Peres gerade israelischer Ministerpräsident. Er gab sich zunächst zurückhaltend und beauftragte eine israelische Kommission, die entsprechenden Dokumente zu prüfen. Diese stellte zwar Ende November 1986 fest, dass kein ausreichendes Belastungsmaterial gegen Waldheim vorliege - doch da war bereits eine diplomatische Eiszeit zwischen Österreich und Israel angebrochen.

Unmittelbar nach der Wahl des umstrittenen Kandidaten am 8. Juni 1986 veranlassten nämlich Peres und Außenminister Jitzhak Shamir die Abberufung des israelischen Botschafters in Wien, Michael Elizur. Als Antwort berief Österreich im Oktober 1986 seinerseits Botschafter Otto Pleinert aus Israel ein. Am 19. November machte Peres - zu diesem Zeitpunkt bereits Außenminister - in einer Ansprache vor der Knesset (Parlament) klar, dass Israel vorerst nicht an eine Wiederentsendung seines Botschafters nach Österreich denke. Der israelische Politiker nannte ein Jahr später in einem Interview mit der französischen Zeitung "Le Figaro" Waldheim ein "Symbol einer schrecklichen Vergangenheit" und stellte fest: "Das Problem ist nicht der Staatschef, sondern die Person Waldheim."

Die Beziehungen normalisierten sich erst im Sommer 1992, als Thomas Klestil zu Waldheims Nachfolger gewählt wurde. Die diplomatischen Beziehungen auf höchster Ebene wurden umgehend wieder aufgenommen. Außenminister Peres besuchte dann bereits im Dezember 1992 Wien, wo er Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ), Vizekanzler Erhard Busek und Außenminister Alois Mock (beide ÖVP) traf - die erste Österreich-Visite eines israelischen Außenministers seit 1973. Peres bemühte sich dann auch ausdrücklich um eine schnelle Verbesserung der Beziehungen: Im Juni 1993 besuchte Vranitzky, im November 1994 Klestil - als erster österreichischer Bundespräsident überhaupt - Israel.

Einen erneuten Tiefpunkt erlebten die bilateralen Beziehungen durch den Amtsantritt der schwarz-blauen Regierung im Jahr 2000, wobei diesmal Peres nicht so eine herausragende Rolle spielte, da er nur 2001-2002 das Amt des Außenministers innehatte. Israel berief aus Protest gegen den Regierungsantritt der FPÖ im Februar 2000 seinen Botschafter aus Wien ab, doch normalisierten sich die Beziehungen bereits nach zwei Jahren langsam wieder. Bereits im Sommer 2002 kündigte der damalige Premier Ariel Sharon an, er werde Außenminister Peres beauftragen, sich um die Normalisierung der Beziehungen zu bemühen. Es dauerte allerdings noch bis 2003 - zu diesem Zeitpunkt war Peres nicht mehr an der Spitze des Außenamts -, bis die vollen diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen wurden.

Peres' Amtszeit als israelischer Präsident (2007-14) erwies sich hingegen als bilateral weit geruhsamere und freundlichere Zeit. Er verstand sich auch privat sehr gut mit dem 2004 gewählten Bundespräsident Heinz Fischer, den er noch aus der Sozialistischen Internationale kannte. Fischers Staatsbesuch 2008 begrüßte er mit den Worten, die Visite sei "hoch einzuschätzen". In diesen Jahren besuchten viele österreichische Politiker Israel - und damit auch Peres. Der Präsident selbst war zuletzt im März 2014, kurz vor Ende seiner Amtszeit, in Wien. "Ich habe gute Freunde in Österreich", betonte er damals im Interview - und meinte damit vor allem Fischer.

Zuletzt sind Peres' Beziehungen zu Österreich im April 2016 aufgrund einer Israel-Reise von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in den Medien erwähnt worden. Strache soll damals allerdings von seinen Bestrebungen, den Friedensnobelpreisträger persönlich zu treffen, nach Abraten des israelischen Außenministeriums Abstand genommen haben. Offiziell unterhält die israelische Regierung bis heute keine Kontakte zur FPÖ, wie die israelische Botschafterin Talya Fresher-Lador in einem APA-Interview im Mai sagte.

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