Politik | Ausland
28.01.2015

Netanyahu: Iran bereitet "neuen Völkermord" vor

Der israelische Regierungschef warf internationalen Organisationen außerdem "Antisemitismus" vor.

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu hat zum Holocaust-Gedenktag dem Iran die Vorbereitung eines "neuen Völkermords" vorgeworfen. Die Juden und der Staat Israel würden "seit Menschengedenken" gehasst, sagte Netanyahu am Dienstag in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

Gewisse Dinge würden sich nicht ändern, doch die Juden hätten sich geändert. "Heute sind wir fähig, uns zu schützen und unsere Freiheit zu verteidigen", sagte der konservative Politiker, der bei den vorgezogenen Neuwahlen im März auf eine Wiederwahl hofft.

"Die iranischen Ayatollahs leugnen die Realität des Holocaust, während sie einen neuen Völkermord an unserem Volk vorbereiten. Dass die Dinge klar sind: Das jüdische Volk wird sich selbst gegen diese Bedrohung verteidigen", sagte Netanyahu. Er warnte, das Atomabkommen, über das der Iran derzeit mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland verhandelt, werde Teheran die Möglichkeit lassen, binnen weniger Monate Atomwaffen zu entwickeln. Dies werde zu einem Wettrüsten führen.

Israel verfügt nach allgemeiner Ansicht als einziges Land in der Region über Atomwaffen. Netanyahu ist ein scharfer Kritiker der Atomverhandlungen, die zur Beilegung des jahrelangen Streits mit dem Iran führen sollen. Das geplante Atomabkommen soll dem Iran die friedliche Nutzung der Atomtechnologie erlauben, zugleich aber sicherstellen, dass er nicht in kurzer Zeit Atomwaffen entwickelt. Israel fordert dagegen, dass Teheran die Urananreicherung ganz verboten wird, und schließt einen Luftangriff auf die iranischen Atomanlagen nicht aus.

Vorwürfe gegen internationale Organisationen

Bei seinem Besuch in Yad Vashem warf Netanyahu den internationalen Organisationen am Dienstag "Antisemitismus" vor. Nicht nur im Westen steige der Antisemitismus. Die Juden und Israel würden auch von "angeblich aufgeklärten" Institutionen wie dem UNO-Menschenrechtsrat und dem Internationalen Strafgerichtshof angegriffen. Netanyahu sprach von einer "Offensive" gegen die "einzige Demokratie" in der Region. "Diese Obsession mit den Juden und ihrem Staat hat einen Namen: Das nennt sich Antisemitismus", sagte der Regierungschef.