Politik | Ausland
21.07.2017

Irrtümlicher US-Luftangriff auf afghanische Soldaten

Die lokalen Sicherheitskräfte wurden mit Taliban-Kämpfern verwechselt. Mindestens neun starben.

Ein fehlgeleiteter US-Luftangriff in Südafghanistan hat anstatt islamischer Talibankämpfer eine Gruppe afghanischer Sicherheitskräfte getötet. Das bestätigte am Freitagabend (Ortszeit) der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, Bill Salvin, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Bisher wissen wir von neun Opfern, aber die Zahl könnte noch steigen", sagte Salvin.

Laut einer Pressemitteilung der US-Streitkräfte in Afghanistan hatte die Luftwaffe am späten Nachmittag eine Operation afghanischer Sicherheitskräfte im Gereshk-Bezirk der schwer umkämpften Provinz Helmand unterstützt. "Wir haben ein Haus beschossen, in dem sich - wie wir glaubten - feindliche Kräfte befanden. Aber es hat sich herausgestellt, dass es lokale Sicherheitskräfte waren", sagte Salvin. Es werde eine Untersuchung eingeleitet.

Die Zahl der US-Luftschläge in Afghanistan sind in diesem Jahr rasant gewachsen. Am Dienstag veröffentlichte Zahlen zur Jahresmitte übertrafen bereits die aus dem ganzen vergangenen Jahr. Demnach hatten Piloten bis zum 30. Juni 1634 Raketen oder Bomben abgeworfen. In ganz 2016 waren es 1337. Angesichts der Landgewinne der Taliban und der Erschöpfung der afghanischen Bodentruppen sehen Militärs Luftangriffe oft als letztes Mittel, die Taliban zurückzutreiben.

Gleichzeitig häufen sich die zivilen Opfer. Die UN melden zur Jahresmitte, die Zahl der durch Luftangriffe getöteten und verletzten Zivilisten sei im Vergleich zum Vorjahr um 43 Prozent angestiegen, auf 232 Tote und Verletzte. US-Luftangriffe waren für 37 Prozent der Opfer verantwortlich, die afghanische Luftwaffe für 48 Prozent. Die NATO hat Luftangriffe mit Ende ihrer Kampfmission 2014 aufgegeben.