Politik | Ausland
17.12.2017

"Ich wollte reinen Tisch machen"

Wie der Ex-Lobbyist heute lebt, warum er geständig ist und wie er im Spirituellen Halt fand.

Er erwischte sie eiskalt.

Keiner vom Trio Grasser/ Meischberger/Plech durchschaute ihn.

Keiner ahnte, dass ausgerechnet Peter Hochegger (68) wackelt, um mit den Worten, der BUWOG-Deal war "alles andere als supersauber", ein Geständnis abzulegen. Dafür präsentierte sich die gruppendynamische Atmosphäre an den ersten drei Prozesstagen einfach zu entspannt. Mal plauderte Immobilienmakler Ernst Karl Plech angeregt mit seinem Sitznachbarn Hochegger auf der Anklagebank. Dann nützte Walter Meischberger eine längere Verhandlungspause für ein Tratscherl unter Freunden – zumindest vermittelte es seine Körpersprache so.

Damit ist seit Freitag, 13.05 Uhr, Schluss.

Wortlos und blitzschnell trat das Trio ab. Nur einer redete mit dem Ex-Lobbyisten noch. Ex-Immofinanzchef Karl Petrikovics kam auf ihn zu und stellte die berechtigte Frage: "Warum hast du mir nichts gesagt, wenn du es wusstest?"

Ja, warum?

Weil der Peter Hochegger von damals ein anderer ist als heute. Die acht Jahre der Ermittlungen, die Prozesse und vor allem die Haft haben den 68-Jährigen eines gelehrt: "Weniger ist mehr im Leben. Ich will einen Neuanfang, da wollte ich reinen Tisch machen", sagt er gegenüber dem KURIER.

Damals, in den ersten 2000er-Jahren, bezeichnet er sich selbst "als Getriebener" mit 120 Mitarbeitern, der "blind vor Gier war und die Gefahren nicht gesehen hat". Hochegger galt als smarter Strippenzieher mit besten Kontakten zwischen Wirtschaft und Politik. Seine Aufträge fielen unter jene Kategorie, die streng vertraulich im Hintergrund abliefen. "Wenn man versucht, die Bestellung eines Managers oder einen Richter für die Telekom-Kommission zu beeinflussen, dann hängt man das nicht an die große Glocke", erzählte er im KURIER-Interview 2014.

Manche sehen seine steil abfallende Karrierekurve als Bruchlandung – der Ex-Karrierist allerdings nicht. "Ich bin froh, dass ich aus dem System hinausgeschleudert wurde." Hochegger hat sich in den vergangenen Jahren eine ganz eigene Haltung antrainiert.

Einige meinen zynisch, er habe sich zum Esoteriker entwickelt. Wie auch immer: Der 68-Jährige nimmt sein Schicksal an, versucht jeder Situation etwas Positives abzugewinnen und sagt: "Jeder bekommt, was er verdient."

Freiwillige Haft

Vielleicht hat er deswegen die acht Monate unbedingte Haft angetreten, statt eine Fußfessel zu beantragen. Gerade diese Entscheidung sorgt bei einigen Top-Anwälten im BUWOG-Prozess für Kopfschütteln. "Wer bitte geht freiwillig in Häf’n?", sagt einer. Mit dem kargen Haftleben in der Justizanstalt Hirtenberg hat er sich schnell arrangiert. Das erste Mal war Hochegger vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Keine Werbung, keine Nachrichten, kein Handy, keine Sozialen Medien. "Eigentlich war es traumhaft" , sagt Hochegger.

Das meint er keineswegs zynisch oder scherzhaft. Hinter Gittern fiel die Entscheidung zum Geständnis. Auf dem Weg zur Selbstfindung, die Hochegger als sehr vielschichtigen Prozess beschreibt, halfen ihm die Gespräche mit dem Seelsorger in der Haft. Der Ex-Lobbyist nennt den Prozess "die hohe Schule der Selbstfindung". Sie startete nach seinem Ausstieg aus der PR-Branche in Brasilien, wo seine Cousine lebt. Dort wohnt er in einem kleinen Fischerdorf sehr naturverbunden. "Ich bewege mich in Szenen, die spirituell ausgerichtet sind und sich nicht materiellen Dingen unterwerfen", so Hochegger 2014.

Wenn er in Österreich ist, lebt er bei den Verwandten in seinem Heimatort Mürzsteg. Während des Prozesses stellt ihm ein Freund eine Wohnung in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus zur Verfügung, damit er nicht jeden Tag pendeln muss. Fast täglich geht der 68-Jährige auf dem Gelände der Schmelz laufen.

Am Dienstag geht es weiter im Prozess. Grasser-Anwalt Manfred Ainedter will da zum Gegenschlag ausholen.