Politik | Ausland
05.12.2017

Houthi-Rebellen kontrollieren Jemens Hauptstadt Sanaa

Die vom Iran unterstützten schiitischen Rebellen kontrollierten am Dienstag alle Stellungen, die zuvor von Anhängern des getöteten Ex-Präsidenten Salehs gehalten worden waren.

Einen Tag nach der Tötung des früheren jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Saleh haben die Houthi-Rebellen ihre Kontrolle über die Hauptstadt Sanaa ausgedehnt. Die vom Iran unterstützten schiitischen Rebellen kontrollierten am Dienstag alle Stellungen, die zuvor von Anhängern Salehs gehalten worden waren, wie aus Sicherheitsquellen verlautete.

Angesichts der neuen Luftangriffe auf Sanaa durch die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition drohte Teheran indirekt Riad.

Auch der Anführer von Salehs Truppen, Tarek Saleh, wurde bei den Kämpfen in Sanaa getötet. Der Neffe des Ex-Präsidenten sei Verletzungen erlegen, die er bei Kämpfen in dieser Woche erlitten habe, gab die Partei des Ex-Präsidenten am Dienstag bekannt.

Luftangriffe auf Sanaa verstärkt

In Anspielung auf den Erzfeind Riad sagte Irans Präsident Hassan Rouhani in einer im Fernsehen übertragenen Rede, die Bevölkerung des Jemen werde "die Angreifer ihr Handeln bereuen lassen". Nach der Tötung Salehs hatte die von Riad angeführte Koalition ihre Luftangriffe auf Sanaa verstärkt. Die Regierung in Riad erklärte ihrerseits, sie hoffe, dass der Jemen bald von den "vom Iran unterstützten terroristischen Milizen" befreit sein werde.

Saleh war am Montag von Houthis getötet worden, als er aus Sanaa fliehen wollte. Im Bürgerkrieg spielte er eine wichtige Rolle. Mit den Houthis ging er eine Allianz ein, die vom schiitischen Iran gestützt wurde. Sie kämpfte gegen Kräfte, die von der rivalisierenden sunnitischen Regionalmacht Saudi-Arabien unterstützt wurden. Am Wochenende war es zu einem offenen Bruch zwischen den Houthi-Rebellen und Saleh gekommen.

Derweil demonstrierten tausende Menschen in der Nähe des internationalen Flughafens von Sanaa für die Houthis. "Sanaa ist frei und der Staat immer noch aufrecht" und "Die Jemeniten bilden ein einziges Volk" stand auf Plakaten.

Die Arabische Liga verurteilte die Tötung Salehs. Sie zeige die "kriminelle Natur" der schiitischen Rebellen, sagte Liga-Chef Ahmed Aboul Gheit. Er warnte zugleich vor einer "Explosion der Sicherheitslage" im Jemen.

UNO fordert humanitären "Waffenstillstand"

UNO fordert humanitären "Waffenstillstand"

Angesichts der blutigen Kämpfe in Sanaa forderte die UNO einen humanitären "Waffenstillstand". Er habe die Konfliktparteien um eine "humanitäre Pause" gebeten, damit die Menschen ins Krankenhaus gehen oder Wasser und Lebensmittel besorgen könnten, erklärte der für den Jemen zuständige humanitäre UN-Koordinator Jamie McGoldrick per Videoschaltung in Genf.

Auch fünf Hilfsorganisationen forderten die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen, um die in Sanaa eingeschlossenen Zivilisten versorgen zu können. "Die humanitären Helfer sitzen fest, ohne der bedürftigen Bevölkerung lebenswichtige Hilfsmittel und essenzielle Unterstützung liefern zu können", warnten die Nichtregierungsorganisationen Handicap International, Aktion gegen den Hunger, Care, Acted und Ärzte der Welt.

Auch der Einsatzleiter von "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) im Jemen, Djoen Besselink, berichtete am Dienstag der APA telefonisch aus Sanaa, es gebe Versorgungsengpässe bei medizinischen Gütern und Patienten könnten oft nicht in Spitäler gebracht werden.

Bei den Kämpfen in der Hauptstadt wurden nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) vom Dienstag in den vergangenen Tagen mindestens 234 Menschen getötet und 400 weitere verletzt.