Politik | Ausland
24.06.2017

Hilfe für Drogenopfer wird gestrichen

Republikaner planen massive Kürzungen. Die aktuelle Drogenkrise wird das weiter anheizen.

Sie ist seit Jahren das liebste Feindbild der Republikaner und lieferte Donald Trump im letzten Wahlkampf eine unablässig getrommelte Parole: Obamacare, die Gesundheitsreform seines Vorgängers, sei Geldverschwendung und müsse weg.

Einmal schon sind Trumps Pläne für Streichung und Ersatz von Obamacare im US-Kongress auf Grund gelaufen. Jetzt aber nähern sich Repräsentantenhaus und Senat, beide in Hand der Republikaner, einer Einigung. Dieser Kompromiss zertrümmert voraussichtlich die wichtigsten Erfolge von Obamacare. Ein massives Sparprogramm, das vor allem die Ärmsten der Gesellschaft treffen dürfte.

Eine der Hauptsäulen der Obama’schen Gesundheitsreform war die Ausweitung von Medicaid, jener bescheidenen staatlichen Gesundheitsvorsorge, die derzeit etwa 75 Millionen Amerikanern grundlegende Versorgung im Krankheitsfall sichert. Das sind fast 20 Millionen Menschen mehr als vor Obamas Reform, Menschen, die zuvor gar keine Krankenversorgung hatten. Auch sollen die Ausgaben für Medicaid gedeckelt werden. Das trifft vor allem jene Staaten, deren Gesundheitskosten in den letzten Jahren massiv angestiegen sind.

Drogen statt Pillen

Es sind die verarmten ehemaligen Industriestaaten im Nordosten der USA, der sogenannte "rust belt". In diesen Staaten wütet seit Jahren eine Drogenepidemie. Die Drogen: Heroin und andere Opiate. Die Betroffenen: Arme weiße Amerikaner im mittleren Alter. Der typische Werdegang: Chronische Schmerzen, meist durch mangelnde medizinische Behandlung entstanden, werden mit Schmerzmitteln bekämpft. Wenn die Krankenversicherung nach kurzer Zeit für diese teuren Schmerzmittel nicht mehr aufkommt, steigen viele auf billigere auf dem Schwarzmarkt gehandelte Opiate um, vor allem Heroin. Das kostet dank der Überproduktion in Afghanistan in vielen US-Staaten inzwischen weniger als Zigaretten. Acht Dollar pro Einzeldosis, also pro Schuss Heroin.

Das lässt die Drogensucht in den USA explodieren. Insgesamt 2,5 Millionen Amerikaner gelten als opiatabhängig, vier Mal so viele als vor zehn Jahren. Ebenso vervierfacht haben sich die Drogentoten durch Überdosis, mehr als 30.000 Amerikaner pro Jahr. Gesundheitsexperten sprechen von einer Epidemie und vom "nationalen Gesundheitsnotstand".

Und diese Epidemie wird durch die geplante Gesundheitsreform verschärft. Bisher nämlich wurden medizinische Maßnahmen wie Drogenentzug zumindest zum Großteil von Medicaid übernommen. Jetzt, mit der angepeilten Deckelung der Kosten können sich die einzelnen Bundesstaaten das nicht mehr leisten.

Keine Hilfe mehr

Drogenentzugsprogramme könnten dann nicht mehr angeboten werden, warnten noch vor wenigen Tagen Senatoren der Republikaner und weigerten sich, dem Reformpaket zuzustimmen. Doch der Widerstand wird von Tag zu Tag schwächer, die Aussichten, die Gesundheitsreform noch vor der Sommerpause von beiden Häusern des Kongresses absegnen zu lassen, immer größer. Geringfügige Ausgleichszahlungen aus Washington werden jetzt als Kompromiss angepeilt. Nicht genug, meinen die Kritiker, um gegen die Drogenkrise anzukämpfen. Ein Senator aus Ohio, einem der am schlimmsten betroffenen Staaten, formuliert es dramatisch: "Wir müssen mehr tun gegen die Opiat-Krise, die unser Land erstickt."