Politik | Ausland
02.10.2017

Südsudan: Leute wollen noch nicht nach Europa

Rotkreuz-Mann appelliert an die Welt und fordert Friedensplan für die gesamte Region Ostafrika.

Neben ganz vielen alarmierenden Nachrichten hat der Schweizer Jürg Eglin auch eine gute – für Europa: Die Millionen Vertriebenen – die Folge des nach wie vor anhaltenden Bürgerkrieges im Südsudan – harren in der Region aus und sehen ihre Zukunft mehrheitlich nicht in Europa, im Gegensatz zu so vielen anderen Afrikanern. "Sie wollen so schnell wie möglich zurück in ihre angestammte Heimat", sagt der bisherige Leiter der Mission des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) im jüngsten Staat der Welt (unabhängig seit 2011) bei einem Wien-Besuch zum KURIER.

Warum das so sei? Zum einen gebe es durchaus eine tragfähige Lebensgrundlage in weiten Teilen des Landes. "Und zum anderen wollen sie ihren Lebensstil nicht aufgeben", führt der 54-Jährige aus. Voraussetzung dafür sei freilich ein "politisch, ökonomisch und sozial stabiles und korrektes Umfeld". Doch davon sei man derzeit noch meilenweit entfernt.

Ein Drittel vertrieben

Vor allem im Nordosten und im Süden tobten weiterhin schwere Kämpfe – insbesondere zwischen den Truppen von Staatspräsident Salva Kiir und dessen ehemaligem Stellvertreter Riek Machar. Erschwerend kommt hinzu, dass sich dieser Konflikt (seit 2013) entlang ethnischer Zugehörigkeiten entspinnt. Die Folge: Von den zwölf Millionen Einwohnern wurde ein Drittel vertrieben. Zwei Millionen retteten sich ins benachbarte Ausland, vor allem nach Uganda, zwei Millionen wurden zu Binnenflüchtlingen.

Um Letztere kümmert sich das Rote Kreuz. "Deren Lage ist besonders prekär, sie sind auf Lebensmittelhilfen angewiesen", betont Eglin, dessen Organisation nach der Tötung eines Mitarbeiters die Aktivitäten teilweise einstellen musste. In anderen Landesteilen, in denen nicht gekämpft wird, habe sich die Versorgungslage leicht entspannt: "Es gab genug Regen, die Ernte fiel recht gut aus."

Afrika-Veteran

Seine Arbeit sieht der Veteran, der 22 seiner 26 Jahre IKRK-Tätigkeit in Afrika absolvierte, als "Nothilfe" an. Diese sei nicht nur aufgrund der Ressourcen limitiert. Daher sein Appell an die internationale Staatengemeinschaft: "Sie muss sich stärker engagieren. Es braucht einen breiten Ansatz, der die gesamte Region umfasst, also auch Uganda, Äthiopien oder den Sudan. Denn gelingt es nicht, diesen Erdteil zu befrieden, könnten sich längerfristig mehr und mehr Südsudanesen auf den Weg Richtung Europa machen."