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Großbritannien
10/19/2013

Heizkosten zu hoch? Cameron empfiehlt einen Pulli

Britische Konservative ernten für zynische Belehrungen Spott und Häme.

Gut gemeinte Ratschläge können manchmal zu einem Bumerang werden. Das musste dieser Tage auch der britische Premier David Cameron erfahren. Ein Sprecher seines Büros gab Menschen, die sich die Heizkosten nicht mehr leisten können, einen schlichten Tipp: Einfach einen Pullover anziehen. "In den kalten Monaten könnte man sich darüber Gedanken machen", so die lapidare Empfehlung. Von der Opposition handelte sich der konservative Regierungschef daraufhin umgehend den Vorwurf der Gefühlskälte ein.

"Tragen Sie einen Pullover - das ist die neue Energiepolitik der Konservativen", kommentierte Labour-Chef Ed Miliband süffisant. Nach einem Sturm der Entrüstung, der auch durch die Sozialen Medien des Internets zog (siehe Reaktionen) unten, ruderte man in der Downing Street Nummer 10 wieder zurück. Man sei falsch verstanden worden, niemals hätte man frierenden Bedürftigen empfehlen wollen, einen Pullover anzuziehen. Doch die Milch war bereits verschüttet.

Hohe Energiepreise

Die sozialdemokratische Labour-Partei reibt sich derweil die Hände. Labour-Chef Miliband hatte vor wenigen Wochen angekündigt, die hohen Energiepreise für 20 Monate auf dem bestehenden Niveau einzufrieren. Der zynische Sager aus dem Büro des Premiers sowie die Ankündigung des führenden britischen Energieversorgers British Gas, die Energiepreise vor dem Winter um fast zehn Prozent erhöhen, spielen ihm stimmungstechnisch nun in die Karten. Den regierenden Konservativen um David Cameron ist darauf noch keine Antwort eingefallen. Außer die Empfehlung, den Anbieter zu wechseln - der aber meistens auch nicht viel billiger ist - oder eben einen Pulli anzuziehen.

Zynische Belehrungen

Auch in anderen Bereichen üben sich die Tories in Belehrungen: Gesundheitsminister Jeremy Hunt, dessen Frau Chinesin ist, erklärte diese Woche, dass sich die Briten an den Asiaten ein Vorbild nehmen sollten, wenn es darum geht, ihre älteren Angehörigen zu versorgen. Nur im Notfall sollte man sie ins Pflegeheim schicken, sondern stattdessen zuhause pflegen, erklärte Hunt. Die Belehrung klang für viele zynisch: Die Regierung will die Ausgaben für den staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) nämlich drastisch kürzen.

Etwas weniger aufgeschlossen ist die Regierung, wenn es um illegale Ausländer im eigenen Land geht. Am Freitag ließ das Innenministerium eine SMS an Tausenden Migrante schicken. "Nachricht vom Innenministerium: Unsere Unterlagen zeigen, dass Sie möglicherweise nicht das Recht haben, länger im Vereinigten Königreich zu bleiben", hieß es in den Textnachrichten.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, das Politiker in das "Pullover-Fettnäpfchen" treten. Auch in Deutschland empfahl der damalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin 2008 den Deutschen, "die Heizung runterzudrehen und einen dicken Pulli anzuziehen". US-Präsident Jimmy Carter (1977-1981) erntete Kritik, als er die Amerikaner in einer Fernsehansprache zu mehr Genügsamkeit und Energiesparen aufrief. Das Kuriose dabei: Carter saß während der Rede neben offenem Kaminfeuer.

Links

Bericht auf FT.com

Bericht auf Spiegel Online

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