Politik | Ausland
28.10.2017

Häupl mit tschechischem Orden ausgezeichnet

Der Wiener Bürgermeister erhielt von Tschechiens Präsident den Orden des Weißen Löwen.

Michael Häupl (SPÖ) ist am Samstagabend mit dem höchsten tschechischen Staatsorden, dem "Orden des Weißen Löwen", ausgezeichnet worden. Bei einer Zeremonie anlässlich des Nationalfeiertages Tschechiens auf der Prager Burg überreichte ihm der tschechische Staatspräsident Milos Zeman den Orden.

Zeman habe den Orden Häupl für seine "besonders ausgezeichnete Verdienste zugunsten der Tschechischen Republik" verliehen, hieß es in der offiziellen Begründung. Auch der deutsche Altbundeskanzler Gerhard Schröder sowie der slowenische Präsident Borut Pahor wurden ausgezeichnet.

Vor drei Jahren hatte Zeman mit demselben Orden den früheren Bundeskanzler Franz Vranitzky ( SPÖ) ausgezeichnet. Der Orden des Weißen Löwen war 1922 gegründet worden, damals noch als "Tschechoslowakischer Orden des Weißen Löwen".

1998 war auch der ehemalige Wiener Bürgermeister Helmut Zilk (SPÖ) für diesen tschechischen Orden vorgeschlagen worden. Der damalige Staatschef Vaclav Havel verzichtete schließlich darauf wegen des Verdachts, dass Zilk angeblich in 1960er Jahren Kontakte zur kommunistischen Geheimpolizei (StB) gehabt haben soll.

Für Dialog ausgesprochen

Zuvor hatte sich Häupl in Prag dafür ausgesprochen, dass Tschechen und Österreicher über Dinge diskutieren sollten, die für beide Seiten unerfreulich seien. Das berichtete die tschechische Nachrichtenagentur CTK am Samstag. Er plädierte dafür, über Fragen wie Energiepolitik, Atomenergie und erneuerbare Energien zu diskutieren und nach Gemeinsamkeiten zu suchen, ebenso betreffend die Nachkriegsgeschichte.

Häupl nannte die Verleihung des Orden des Weißen Löwen, des höchsten tschechischen Staatsordens, eine "große Ehre".

Gute Beziehungen

Häupl sagte laut CTK weiters, die Beziehungen zwischen beiden Ländern seien sehr gut, was nicht zuletzt in den häufigen Gesprächen zwischen Ministern über Zusammenarbeit und andere Fragen zum Ausdruck komme.

Er kam auch auf die umstrittenen Benes-Dekrete zu sprechen, mit denen nach dem Zweiten Weltkrieg die Ausweisung deutschsprachiger Bewohner aus der damaligen Tschechoslowakei sanktioniert wurde. Diese seien ein Teil der Geschichte, der sowohl für Österreich als auch die Tschechische Republik unerfreulich sei. Hier bestehe die Notwendigkeit einer Debatte bis ein Konsens erreicht sei. Viele junge Leute hätten keine Ahnung, wer der tschechoslowakische Präsident Edvard Benes gewesen sei, fügte Häupl hinzu.

Im übrigen sehe er Ähnlichkeiten zwischen Prag und Wien, nicht allein wegen ihrer gemeinsamen Geschichte in der Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, sondern auch in der Lebenseinstellung ihrer Bewohner, meinte Häupl. Die beiden Städte sollten daher auch im 21. Jahrhundert nicht von ihrer gemeinsamen Vergangenheit gelöst werden.