Politik | Ausland
11.04.2017

Trump droht: "Nordkorea sucht Ärger"

Nach Entsendung von US-Flugzeugträgergruppe heißt es aus Pjöngjang: "Wir werden die härtesten Gegenmaßnahmen gegen die Provokateure ergreifen, um uns mit aller Waffengewalt zu verteidigen." Trump: "Nordkorea sucht Ärger".

Nordkorea hat die Entsendung einer US-Flugzeugträgergruppe zur Koreanischen Halbinsel scharf verurteilt und mit einer entschiedenen Reaktion gedroht. "Das rücksichtslose Vorgehen der USA zur Invasion der Demokratischen Volksrepublik Korea hat eine ernste Phase erreicht", erklärte ein Sprecher des Außenministeriums in Pjöngjang am Dienstag nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA.

"Wir werden die härtesten Gegenmaßnahmen gegen die Provokateure ergreifen, um uns mit aller Waffengewalt zu verteidigen", erklärte der nordkoreanische Ministeriumssprecher. Pjöngjang sei bereit, "auf jede von den USA gewünschte Art des Krieges zu reagieren". Er warnte die US-Regierung vor den "katastrophalen Konsequenzen" ihres "empörenden Vorgehens".

Nach Raketentests durch Nordkorea hatten die USA am Wochenende mit der Verlegung des Flugzeugträgers "USS Carl Vinson" sowie seiner Begleitschiffe in Richtung Korea begonnen. Der Marineverband war am Samstag nach Angaben des US-Militärs am Samstag in Singapur nach Norden ausgelaufen, um im westlichen Pazifik Position zu beziehen.

"Nordkorea sucht Ärger"

US-Präsident Trump warf Nordkorea provozierendes Verhalten vor. "Nordkorea sucht Ärger", schrieb er am Dienstag im Kurznachrichtendienst Twitter. Abermals rief der Präsident China auf, auf den Verbündeten Nordkorea einzuwirken und an einer Lösung des Problems mitzuarbeiten. "Wenn nicht, werden wir das Problem ohne sie lösen", fügte Trump hinzu.

Die Maßnahme wird als Stärke-Demonstration der USA gegenüber der kommunistischen Regierung in Pjöngjang verstanden. Sie löste in der Region auch die Besorgnis vor einem möglichen Militärschlag aus. Nordkorea hatte in der vergangenen Woche zum wiederholten Mal gegen UN-Resolutionen verstoßen und eine ballistische Testrakete in Richtung offenes Meer feuern lassen. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Aktion. Nach Einschätzung von US-Experten trifft das Land derzeit Vorbereitungen für einen weiteren Atomtest.

Südkorea: Weitere Provokationen Nordkoreas möglich

Südkorea rechnet in den kommenden Tagen nach den Worten des amtierenden Präsidenten Hwang Kyo-ahn mit "weiteren Provokationen" des Nordens. Angesichts der bevorstehenden Tagung der Obersten Volksversammlung in Pjöngjang und des 105. Geburtstages von Staatsgründer Kim Il-sung sei ein neuer Atomtest denkbar, sagte Hwang am Dienstag.

US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt mit einem Alleingang gegen Nordkorea gedroht, falls China im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm nicht den Druck auf Pjöngjang erhöht. Mit dem Luftangriff in Syrien in der vergangenen Woche wollte die US-Regierung nach Einschätzung vieler Beobachter auch Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un signalisieren, dass sie vor einer militärischen Option nicht zurückschrecke.

Am Wochenende entsandte Washington als Demonstration der Stärke gegenüber der kommunistischen Führung in Nordkorea eine Flugzeugträgergruppe in Richtung der Koreanischen Halbinsel. Zu der Flugzeugträgergruppe gehören die "USS Carl Vinson", ein Kampfflugzeug-Geschwader, zwei Lenkwaffenzerstörer und ein Kreuzer. Ursprünglich sollten der Flugzeugträger und seine Begleitschiffe in Australien Halt machen. Stattdessen legte die Gruppe in Singapur ab und nahm Kurs auf den westlichen Pazifischen Ozean.

Die USA halten derzeit zudem ein gemeinsames Militärmanöver mit ihrem Verbündete Südkorea ab. Pjöngjang verurteilt die Übungen und bezeichnet sie als Vorbereitung für einen Einmarsch.

Atomsprengkopf in weniger als zwei Jahren entwickelt?

Nordkorea unterhält trotz umfassender Sanktionen seit Jahren ein Atomwaffenprogramm. Seit 2006 hat das Land insgesamt fünf Atomwaffentests vorgenommen, davon zwei im vergangenen Jahr. Die Führung in Pjöngjang arbeitet auch an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten. US-Geheimdienstbeamten zufolge könnte Pjöngjang in weniger als zwei Jahren einen Atomsprengkopf entwickeln, der das US-Festland erreichen könnte.

Parlament tritt zu seltener Sitzung zusammen

Am Dienstag tritt in Pjöngjang zunächst das Parlament zu einer seiner seltenen Sitzungen zusammen. Die Volksvertretung tagt nur ein oder zwei Mal im Jahr, meist für einen Tag. Oft werden wichtige politische und wirtschaftliche Entscheidungen der Führung unter Staatschef Kim beschlossen. Zuletzt hatte das Parlament im Juni vergangenen Jahres getagt.

Damals wurde Kim zum Vorsitzenden einer neuen obersten Regierungskommission ernannt, womit er seine absolute Machtposition untermauerte. International ist Nordkorea wegen seines Atom- und Raketenprogramms isoliert, die Vereinten Nationen haben mehrere Sanktionsrunden verhängt.

China schickt Schiffe mit nordkoreanischer Kohle zurück

Nach den jüngsten Atomtests Nordkoreas schickt China zahlreiche Schiffe mit Kohlelieferungen aus dem Land zurück. Eine Flotte nordkoreanischer Schiffe, die meisten voll beladen, kehrte von chinesischen Häfen zurück, wie satellitengestützte Reuters-Schifffahrtsdaten vom Dienstag zeigten.

Chinesischen Handelskreisen zufolge hat die Regierung in Peking am Freitag Importeure angewiesen, Kohle aus Nordkorea nicht mehr anzunehmen. An diesem Tag hatte sich US-Präsident Donald Trump mit Chinas Staatschef Xi Jinping in Florida getroffen und auch über die Spannungen wegen des nordkoreanischen Raketen- und Atomwaffenprogramms gesprochen.

Kohle ist eine wichtige Einnahmequelle für Nordkorea. Das abgeschottete Land steht an vierter Stelle der Lieferanten Chinas, vor allem mit Kokskohle für die Stahlerzeugung. Die Chinesen hatten bereits früher angekündigt, die UN-Sanktionen umsetzen zu wollen und keine Kohle mehr aus Nordkorea zu importieren. China machte jedoch immer wieder Ausnahmen und begründete dies mit der Unterstützung der Menschen in dem verarmten Land. Die Vereinten Nationen ( UN) wollen Nordkorea mit Exportverboten den Geldhahn für das Rüstungsprogramm des kommunistischen Regimes von Machthaber Kim Jong-un zudrehen.

Um seine Kohle-Versorgung zu sichern, greift China auf Importe aus den USA zurück. Dies kommt Trump entgegen, der den heimischen Kohlesektor wieder beleben möchte. Reuters-Daten zeigen, dass während China zwischen 2014 und 2016 keine Kokskohle aus den USA importierte, die Lieferungen nun seit Februar wieder aufgenommen wurden.