Politik | Ausland
16.01.2018

"Großes Interesse" an doppelter Staatsbürgerschaft

Im Regierungsprogramm ist es eine knappe Ankündigung: " Doppelstaatsbürgerschaft für Nachfahren der Opfer des Nationalsozialismus aus Österreich." Manche sprechen auch von einer "Wiedergutmachung".

In Israel, wo derzeit rund 800 Holocaust-Überlebende eine Heimat gefunden haben und einige Tausend mögliche Anspruchsberechtigte leben (Kinder, Enkel), ist "das Interesse an dieser Maßnahme groß. An der österreichischen Botschaft gibt es dazu täglich Anrufe", sagt Martin Weiss, der österreichische Botschafter in Tel Aviv, zum KURIER. "Die Chance, wieder an die Geschichte der eigenen Eltern und/oder Großeltern – und damit an die eigene Herkunftsgeschichte – anknüpfen zu können, würden viele Israelis der zweiten oder dritten Generation sehr gerne aufgreifen."

Der Diplomat weist auch auf das mediale Interesse an der Neugestaltung des Staatsbürgerschaftsgesetzes hin: "Über diese von Österreich angekündigte Maßnahme wurde in allen israelischen Medien sehr positiv berichtet."

Viele Anfragen in London

Auch die diplomatische Vertretung Österreichs im Vereinigten Königreich verzeichnet eine rege Nachfrage. "Die angekündigten Erleichterungen beim Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft für Nachfahren der Opfer des Nationalsozialismus’ stößt in Großbritannien auf großes Interesse", weiß Botschafter Martin Eichtinger. "Viele Anfragen in der letzten Zeit zur Möglichkeit einer Doppelstaatsbürgerschaft wurden gerade von diesem Personenkreis gestellt", erläutert der Spitzendiplomat in London.

Nicht ausgeschlossen ist, dass eine Doppelstaatsbürgerschaft von britischen Bürgern auch wegen des Austritts Großbritanniens aus der EU angestrebt wird.

Noch liegt das Gesetz im Detail nicht vor. Von Interessenten ist aber zu hören, dass sie sich ein "unbürokratisches und rasches Verfahren" wünschen.