Neue Zeiten: In einer griechischen Taverne das Essen genießen – nur noch mit offizieller Rechnung.

© EPA/ORESTIS PANAGIOTOU

Griechenland
06/10/2014

Einkauf nur mit Kassazettel

Eine neue Generation von griechischen Steuerfahndern hält sich strikt ans Gesetz.

Alles ganz frisch, Mädels, kommt her!" ruft ein Mann, der hinter einem Berg an Salat steht, vier Frauen mit weißen Haaren zu. Es ist Markttag im Athener Bezirk Pangrati. Seit dem frühen Morgen haben die Verkäufer ihre Tische entlang einer der Hauptstraßen aufgestellt. Kräuter, Obst, Oliven, frischer Fisch – alles ist zum Schnäppchenpreis zu haben. Was am Straßenmarkt neuerdings auch kommt, ist ein Kassenzettel für jeden Einkauf. Denn Verkäufer, die keine elektronischen Rechnungen ausstellen, ziehen sich den Zorn der Steuerbehörde zu.

"Man muss sehr aufpassen, was man eintippt, denn die Kasse ist direkt mit der Steuerbehörde verbunden. Wenn ich hier einen Fehler mache, kriegen sie das sofort mit", sagt ein Angestellter einer Autovermietungsfirma.

Sonnenschirme

Dieser Tage wird in Griechenland alles versteuert. Auch wenn man am Strand einen Liegestuhl oder einen Sonnenschirm für ein paar Stunden mieten will, müsse man einen Kassazettel bekommen. "Alles, was bezahlt wird, muss auch versteuert werden", sagt Eleni, eine Angestellte der griechischen Steuerfahndungsbehörde SDOE, zum KURIER.

Eleni ist nicht ihr echter Name. Den kann sie nicht einmal an ihre Wohnungstür schreiben. Die zierliche junge Frau hat auch eine Dienstwaffe zugewiesen bekommen, weil ihre ganze Abteilung ständig wegen der Untersuchungen über hinterzogene Steuer bedroht wird. Sie macht sich Sorgen, meint aber: "Die Arbeit muss getan werden, sie ist sehr wichtig."

Etwa 300 Menschen bei der SDOE fahnden nach Steuerverbrechern. Sie stehen unter der Verantwortung des Finanzministers. "Früher war unser Amt zu 95 Prozent korrupt. Jetzt sind wir so gut, wie wir sind, nur dank unseres jetzigen Leiters", meint Eleni. Viele der alten Angestellten haben entweder gekündigt oder sind in Frühpension gegangen. Man habe sie durch eine neue Generation ersetzt – die meisten Finanzpolizisten sind jetzt hoch motivierte Männer und Frauen in ihren 30er- und 40er-Jahren, mit Uni-Abschluss. Sie arbeiten hart, verdienen wenig – zwischen 1200 und 1400 Euro im Monat, doch sind sie nicht käuflich. Sie machen ihre Arbeit aus Überzeugung, einem Wunsch nach Ordnung, und – so ein Gefühl bekommt man, wenn man mit ihnen spricht – aus einer Art Rache an jenen, die für die wirtschaftliche Lage des Landes und das ruinierte Leben ihrer ganzen Generation verantwortlich sind.

Politiker im Visier

Ihr Amt ermittelt gerade gegen eine Reihe hochrangiger Politiker, darunter einen früheren Finanzminister, einen Ex-Bürgermeister von Athen und mehrere Mitglieder der jetzigen Regierung. Was den Rücktritt des obersten Steuereintreibers, Haris Theoharis, in der Vorwoche betreffe, so sei man bei der SDOE glücklich, dass er weg sei. "Er wollte unser Amt schließen", sagt Eleni. " Er wollte nicht, dass wir Politiker untersuchen, sondern nur korrupte Ärzte." Insgesamt aber laufe die Steuereintreibung in Griechenland schon viel besser als früher, obwohl der Steuersatz viel zu hoch sei, meint sie. "Es gibt Menschen, die tatsächlich vor dem Dilemma stehen, ihre Steuerrechnung zu bezahlen oder Essen zu kaufen", sagt die Steuerfahnderin. Vom großen Geld sehe man noch immer nur den Schatten. Früher oder später aber werde man alles zurück nach Griechenland holen, glaubt Eleni, "so wie es das Gesetz verlangt".

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