epa02644458 German author Guenther Grass speaks during a matinee on the occasion of the 85th birthday of Siegfried Lenz at the NDR studios in Hamburg, Germany, 20 March 2011. Lenz wrote about German history in novels such as 'Deutschstunde' or 'Heimatmuseum'. EPA/ANGELIKA WARMUTH

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Deutschland
08/13/2013

Grass rechnet mit Lafontaine ab

In der Geschichte der SPD habe es "keinen schmierigeren Verrat" gegeben: Günter Grass attackiert den Linkspolitiker.

Harte Anschuldigen aus dem Mund des Literatur-Nobelpreisträgers und SPD-Unterstützers Günter Grass: „Es gab in der Geschichte der sozialdemokratischen Partei keinen schmierigeren Verrat, wie den von Oskar Lafontaine.“ Die scharfe Kritik am Ex-Vorsitzenden der Linken formuliert der 85-jährige Grass in einer für die Süddeutsche Zeitung autorisierten Kurzfassung eines Gesprächs, das in diesen Tagen in Buchform erscheint.

Darin äußerst sich Grass zu einem möglichen Bündnis zwischen SPD und Linkspartei. Ein "Hemmnis auf dem Weg dorthin" sei Lafontaine, sagte der Literaturnobelpreisträger. "Gleichzeitig alle Ämter niederzulegen, eine Wende um 180 Grad zu inszenieren, die eigene Partei in der Bild-Zeitung anzugreifen, dazu gehört eine Charakterlosigkeit ohnegleichen", sagte er in dem Gespräch für das Buch "Was würde Bebel dazu sagen?", das von dem Publizisten Manfred Bissinger und Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse herausgegeben wird. Damit spielt Grass an Lafontaines spektakulären Rücktritt als Finanzminister und SPD-Chef 1999 an.

Lafontaine: Grass bekomme viel nicht mit

Lafontaine wies gegenüber derSüddeutschendie Vorwürfe zurück: Grass bekomme viele Dinge nicht mehr mit, sonst wüsste er, dass er der SPD immer wieder angeboten habe, mit der Linken die Bundesregierung oder Länderregierungen zu bilden, sagte der 69-Jährige dem Blatt.

"Grass sollte sich zu Charakterfragen nicht mehr äußern"

Er attackiert seinerseits Grass: "Seit bekannt ist, dass Grass Sozialdemokraten wie Karl Schiller bedrängt hat, ihre Nazi-Vergangenheit offenzulegen, während er die eigene Zugehörigkeit zur Waffen-SS verschwieg, sollte er sich zu Charakterfragen besser nicht mehr äußern", sagte er dem Blatt. Grass hatte erst 2006 öffentlich gemacht, dass er mit 17 Jahren der Waffen-SS angehört hatte.

Aus der Bundespolitik hatte sich Lafontaine 2009 zurückgezogen, seitdem führt er die Fraktion der Linken im saarländischen Landtag.

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