Politik | Ausland
15.04.2017

Gorbatschow warnt vor neuem Wettrüsten

Der ehemalige Präsident der Sowjetunion beklagt die Verschlechterung der deutsch-russischen Beziehungen.

Der ehemalige sowjetische Präsident Michail Gorbatschow leidet unter der gegenwärtigen Krise zwischen Russland Deutschland. „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Deutschen, die Menschen in Deutschland, keine neue Feindschaft mit den Russen wollen“, sagte der Friedensnobelpreisträger (86) in einem Interview der „Bild“-Zeitung. „Wir dürfen nicht zulassen, dass das, was unsere beiden Nationen gemeinsam aufgebaut haben, zerstört wird.“

"Ich mag sie, ich schätze sie"

Es gehe ihm nahe, dass die deutsche Führung „eine solche Verschlechterung der deutsch-russischen Beziehungen zugelassen hat“. Gorbatschow wollte dies aber nicht Kanzlerin Angela Merkel anlasten, die in der Ukraine-Krise eine Verfechterin von EU-Sanktionen gegen Russland gewesen ist. „Ich mag sie, ich schätze sie. Auch menschlich empfinde ich große Sympathie für sie“, sagte er der Zeitung.

Das Verhältnis zwischen Berlin und Moskau ist gespannt, seit Russland 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert und den prorussischen Aufstand in der Ostukraine militärisch unterstützt hat.

"Alle Anzeichen eines kalten Krieges"

Gorbatschow warnte vor einem neuen Wettrüsten. „Mancherorts ist es bereits in vollem Gange. Nach Europa werden Truppen verlegt, auch schweres Gerät - Panzer und Panzerwagen“, sagte er. „Das Verhältnis zwischen den Großmächten verschlechtert sich.“ Damit seien „alle Anzeichen eines kalten Krieges festzustellen“. Auf die Frage, ob aus dem kalten eine heißer Krieg werden könne, sagte er: „Nun, wenn wir einfach nur weiter zuschauen und die Hände in den Schoß legen, ist alles möglich.“