Ein Mann flüchtet mit seiner Tochter aus dem vom IS kontrollierten Stadtteil.

© REUTERS/GORAN TOMASEVIC

Kriegsverbrechen im Irak
03/05/2017

Giftgas-Verdacht bei Kämpfen um Mosul, 45.000 fliehen

Wer die chemischen Waffen eingesetzt haben soll, ist noch unklar. 45.000 Zivilisten vor Kämpfen aus West-Mosul geflohen.

Bei den Kämpfen der irakischen Armee gegen die IS-Terrormiliz in der Großstadt Mosul sind wahrscheinlich Chemiewaffen eingesetzt worden. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) teilte am Sonntag mit, sie sei besorgt über entsprechende Berichte. "Die OPCW hat die irakischen Behörden um zusätzliche Informationen gebeten und Unterstützung bei der irakischen Untersuchung angeboten."

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) geht wegen entsprechender Hinweise vom Einsatz von Giftgas aus. Sieben Patienten hätten Symptome, die darauf schließen ließen, hatte die Organisation am Freitag mitgeteilt. Die fünf Kinder und zwei Frauen, die in den vergangenen zwei Tagen eingeliefert worden seien, würden in einem Krankenhaus in der Nähe von Mosul behandelt. Bisher ist nicht geklärt, welche Gruppe Giftgas eingesetzt hat.

Unterdessen rückte die irakische Armee am Sonntag weiter auf das Stadtzentrum der Hochburg der Terrormiliz Islamischer Staat vor - Tausende Menschen flohen.

Kriegsverbrechen

Die Vereinten Nationen bekräftigten, dass der Einsatz von chemischen Waffen ein Kriegsverbrechen sei. Sollten sich die Berichte bestätigen, wäre dies zudem eine ernsthafte Verletzung des internationalen humanitären Rechts, sagte die humanitäre Koordinatorin der UN im Irak, Lise Grande, am Samstag.

Vor der Offensive auf Mosul war immer wieder befürchtet worden, dass der IS Chemiewaffen im Kampf gegen anrückende Soldaten einsetzen könnte. Es wird vermutet, dass die Jihadisten entsprechende Kampfmittel besitzen.

Derweil kämpften irakische Regierungstruppen in mehreren Stadtteilen im Westen Mosuls gegen den IS. Dabei seien Polizeistationen und Militärgebäude erobert worden. Die Kampfgebiete sind teilweise nur etwa zwei Kilometer von dem eng bebauten Stadtzentrum Mosuls entfernt.

45.000 weitere Menschen vertrieben

Die Kämpfe im Westen Mosuls vertrieben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge bisher mehr als 45.000 Zivilisten. Sie registrierte 7.619 geflüchtete Familien. Unter den Flüchtlingen seien auch viele Kinder, hieß es in einer Mitteilung vom Sonntag.

Ein Militärbündnis unter Führung der irakischen Armee hatte im Oktober eine Offensive auf die nordirakische Stadt begonnen, um die Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus ihrem wichtigsten Stützpunkt zu vertreiben. Mosul ist die letzte Hochburg des IS im Irak. Sollten die sunnitischen Extremisten die Großstadt verlieren, wären sie im Irak militärisch weitestgehend besiegt.

Irakische Armee rückt weiter in Mosul vor

Die irakische Armee hat am Sonntag eine neue Offensive auf die Altstadt der IS-Hochburg Mosul (Mossul) eingeleitet. Die von den USA unterstützten Truppen rückten in den westlichen Teil der Stadt vor, sagte ein Armeesprecher dem staatlichen Fernsehen.

Einige Einsatzkräfte seien nur noch wenige hundert Meter von den Regierungsgebäuden nahe der Altstadt entfernt, teilte ein Offizier der Nachrichtenagentur Reuters mit. Die Rückeroberung der Verwaltungsgebäude wäre von symbolischer Bedeutung. Der Vorstoß der Iraker war zuletzt wegen schlechter Wetterbedingungen kurzzeitig ausgesetzt worden.

Nach dreimonatigen Kämpfen hatten irakische Streitkräfte im Jänner bereits den Ostteil von Mosul eingenommen. Vor zwei Wochen starteten sie die Offensive auf den Westteil der Stadt. Der Kampf gilt als schwieriger, weil in den engen Gassen der Altstadt keine gepanzerten Fahrzeuge eingesetzt werden können. Der IS hatte Mosul 2014 in einem blitzartigen Vorstoß besetzt. Von der Großen Moschee aus rief IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi ein Kalifat aus, das bis nach Syrien reicht. De facto ist Mosul die Hauptstadt der sunnitischen Extremisten im Irak, in Syrien ist es Raqqa.

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