Politik | Ausland
06.08.2017

Erdogan: "Niemand kommt mehr so bekleidet, wie er will"

Der türkische Präsident fordert Gerichtskleidung für mutmaßliche Putschisten. Er reagiert auf den "Hero"-Eklat vor drei Wochen.

Terrorverdächtige und mutmaßliche Putschisten sollen bei Prozessen in der Türkei künftig vor Gericht eine Einheitskleidung tragen. Angeklagte im Zusammenhang mit dem Umsturzversuch von 2016 müssten vor Gericht einen braunen Overall anziehen, Terrorverdächtige Jacke und Hose, kündigte Präsident Recep Tayyip Erdogan am Samstag in der Stadt Malatya im Osten des Landes an.

"Hero"-Eklat

"Niemand kommt mehr so bekleidet, wie er will." Erdogan reagierte damit auf einen aufsehenerregenden Vorfall vor drei Wochen, als ein mutmaßlicher Putschist vor Gericht ein T-Shirt mit der Aufschrift "Hero" trug. Dies führte zu einem Streit im Gerichtssaal und einer Unterbrechung der Anhörung. Medienberichten zufolge wurden in den folgenden Tagen landesweit mehrere Menschen festgenommen, die das gleiche T-Shirt trugen.

Seit dem gescheiterten Militärputsch vor gut einem Jahr regiert Erdogan per Ausnahmezustand. Wegen mutmaßlicher Kontakte zur Bewegung des Predigers Fethullah Gülen, den Erdogan als Drahtzieher des Umsturzversuchs ansieht, und Terrorverdachts wurden in den vergangenen zwölf Monaten rund 50.000 Menschen festgenommen. Auch Deutsche sind darunter, was die Beziehungen zu Deutschland massiv belastet. Mehr als 150.000 weitere Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes, der Justiz, der Polizei und des Militärs wurden entlassen oder vom Dienst suspendiert.