Politik | Ausland
21.08.2017

Trumps Flirt mit Rechtsextremen kostet ihn Millionen

Spender ziehen sich zurück. Galas in Trumps Luxus-Golfressort abgesagt, Wirtschaftsberater verlassen das Weiße Haus.

Wie oft kann ein Mensch in sieben Monaten seine "schlechteste Woche" haben? Bei Donald Trump, der seit 20. Januar in Washington mit Pleiten, Pech und Pannen regiert, kommen die Analysten mit dem Zählen nicht mehr hinterher. Nach seinem von vielen Amerikanern als fahrlässig bis skandalös empfundenen Flirt mit Neonazis, Antisemiten und Rassisten im Gefolge der tödlichen Tragödie von Charlottesville sind für den Präsidenten die Hundstage angebrochen. Berater gehen oder werden (Stephen Bannon) gegangen. Wirtschaftsbosse von Merck bis JPMorgan Chase suchen reihenweise das Weite, sie fürchten Einbußen für ihre Geschäfte. Die Spitzen des Militärs in allen Waffengattungen gehen auf Distanz. Promis aus Sport und Showbusiness gehen auf Gegenkurs. Das republikanische Establishment zweifelt öffentlich an Trumps Regierungsfähigkeit. Viele US-Kommentatoren halten den Commander-in-Chief nach seinem missratenen Gleichstellungsversuch von rechter und linker Gewalt, dem am Wochenende 40 000 friedfertige Demonstranten in Boston kraftvoll widersprachen, für unheilbar toxisch. Für eine "lahme Ente" (lame duck) schon zu Beginn.

Kunden bleiben aus

Allesamt Facetten, die Trump massiv stören, aber nicht wirklich wehtun. Jetzt kommt eine neue Schadenskategorie hinzu, die an Trumps Grundfesten rührt. Weil sie ans Geld geht. Sein Nobel-Ressort Mar-a-Lago in Florida, das dem Präsidenten als "Winter White House" dient, verzeichnet einen Massen-Exodus zahlungskräftiger Kunden.Laut Washington Post, die in Gestalt des Pulitzer-Preisträgers David Fahrenthold akribisch Buch führt, haben seit Charlottsville mindestens zehn namhafte karitiative Organisationen und Stiftungen Spenden-Galas in Mar-al-Lago abgesagt. Trump, der seine Geschäfte offiziell in die Hände seiner Söhne Donald Jr. und Eric gelegt hat, entgehen mehrere Millionen Dollar. Dazu kommt ein Imageschaden, der heute noch nicht zu beziffern ist, wie Marketing-Experten deutlich machen.

Der Grund: Bekannte Stimmen wie die Amerikanische Krebsgesellschaft, die Klinik von Cleveland, das Amerikanische Rote Kreuz, die Heils-Armee, die im Bereich Brustkrebs-Prävention landesweit führende Susan G. Komen-Stiftung oder die für Krankentransporte bekannte Gruppe "American Friends of Magen David Adom" begründeten in den vergangenen Tagen ihren Rückzug aus dem prunkvollen Anwesen in unterschiedlicher Schärfe unisono mit Trumps Lavieren nach dem Tod von Heather Heyer. Die junge Frau ist in Charlottesville von dem bekennenden Neonazi James Alex Fields mit dem Auto absichtlich überfahren worden.

Halbherzig distanziert

Obwohl vom früheren republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney dazu ausdrücklich aufgefordert, hat Trump bis heute keine Notwendigkeit gesehen, sich für seine relativierenden, missverständlichen Worte öffentlich "vor der Nation zu entschuldigen". Lois Pope, Mitglied in Trumps Nobel-Klub und reiche Witwe des Gründers des Klatsch-Magazins National Enquirer, ging in ihrer Stellungnahme nach dem "widerwärtigen" Auftritt von Neonanzis und Rassisten in Charlottesville am weitesten: "Jeder, der auch nur einen Funken von Verständnis zeigt, indem er darauf besteht, dass (in Charlottesville) auch "gute Menschen' waren, verdient die Unterstützung meiner Stiftungen nicht."

Weder das Weiße Haus noch die Trump-Organisation haben bisher zu dem Vertrauensentzug namhafter Einrichtungen Stellung genommen. Insider in Washington gehen aber davon aus, dass sich das rasch ändert, wenn auch das Top-Hotel des Präsidenten im früheren Hauptpostamt Washingtons im größeren Maßstab Stornierungen zu verkraften haben sollte.